Leibke Kaganowicz (Leon Kahn)
Geboren: 26. Februar 1925
Ejszyszki (Eyshishok), Polen
Leon (geboren als Leibke) wuchs mit zwei Geschwistern in Eyshishok auf, einem kleinen Schtetl, also einer jüdischen Kleinstadt, in Polen. Sein Vater Shael war Kaufmann, und seine Mutter Miriam stellte koschere Milchprodukte her und verkaufte sie.
1933–1939: Leon besuchte zunächst eine hebräische Grundschule und anschließend eine polnische öffentliche Schule. Einige seiner Mitschüler schikanierten ihn, weil er Jude war. Leon wollte Ingenieur werden. Im Herbst 1939, nachdem das NS-Regime und die Sowjetunion in Polen einmarschiert waren, wurde Eyshishok Teil Litauens. Jüdische Flüchtlinge, die vor den Nazis flohen, durchquerten auch Eyshishok und berichteten von der Gewalt der Nazis gegen die Juden.
1940–1945: Im Juni 1941 marschierte das nationalsozialistische Deutschland im Zuge des Angriffs auf die Sowjetunion in Litauen ein. Die Deutschen besetzten Leons Heimatstadt und führten antisemitische Maßnahmen ein. Im September ermordete ein deutsches Einsatzkommando mit Unterstützung litauischer Helfer die jüdische Bevölkerung von Eyshishok. Während des Massakers versteckte sich Leon mit seinem Bruder Benjamin. Aus seinem Versteck heraus musste Leon mit ansehen, wie Frauen und Kinder ermordet wurden.
Nach dem Massaker gelang es Leon, seine Eltern und seine zwei Geschwister wiederzufinden. In den folgenden drei Jahren zogen sie von Ort zu Ort und versuchten, sichere Verstecke zu finden. Doch nur Leon überlebte den Krieg. Seine Mutter wurde wahrscheinlich im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Nachdem die Familie verraten worden war, wurde zuerst sein Bruder getötet, später auch sein Vater und seine Schwester Freida. Leon schloss sich einer Partisanengruppe des Widerstands an und kämpfte gegen die deutsche Besatzung. Im Juli 1944, als die Sowjetunion die deutschen Truppen aus der Region zurückdrängte, kehrte Leon nach Eyshishok zurück. Anschließend ging er in ein DP-Camp (Displaced Persons Camp) in Österreich. Später wanderte Leon nach Kanada aus. Er heiratete die ebenfalls aus Polen stammende Holocaustüberlebende Evelyn Landsman, und sie gründeten eine Familie.