Adolf Hitler salutes a passing SS formation at the third Nazi Party Congress in 1927

Adolf Hitler und der Machtaufstieg der Nationalsozialisten, 1918–1933

Der Führer der NSDAP, Adolf Hitler, wurde am 30. Januar 1933 Reichskanzler von Deutschland. In den darauffolgenden Monaten wandelte sich die Demokratie in Deutschland unter den Nationalsozialisten in eine Diktatur. Die Machtübernahme Hitlers und der Nationalsozialisten war nicht unvermeidlich. Mehrere Faktoren spielten hierbei eine Rolle, darunter die Zeitumstände aber teilweise auch reiner Zufall.

Wichtige Fakten

  • 1

    In den frühen 1920er Jahren war die NSDAP eine kleine, radikale, rechtsgerichtete politische Bewegung, welche die deutsche Demokratie stürzen wollte. Hitler und die Nationalsozialisten versuchten im November 1923 erfolglos, die Macht gewaltsam an sich zu reißen.

  • 2

    Mitte der 1920er Jahre änderten die Nationalsozialisten ihre Strategie. Sie begannen, bei Wahlen anzutreten, um zu versuchen, die deutsche Demokratie von innen heraus zu untergraben. Im September 1930 gelang es der NSDAP, bei den Reichstagswahlen erstmals eine bedeutende Anzahl von Stimmen zu gewinnen.



    Die Nationalsozialisten setzten politische Gewalt, Straßenkampagnen, Propaganda und politische Intrigen ein, um die Weimarer Republik zu destabilisieren, Anhänger zu gewinnen und die Macht zu übernehmen.

  • 3

    Adolf Hitler und die NSDAP gelangten am 30. Januar 1933 in Deutschland an die Macht. An diesem Tag ernannte der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Die zu diesem Zeitpunkt noch bestehende Weimarer Republik war die erste demokratische Republik auf deutschem Boden.

On the day of his appointment as German chancellor, Adolf Hitler greets a crowd of enthusiastic Germans from a window in the Chancellery ...

Am Tag seiner Ernennung zum Kanzler grüßt Adolf Hitler die begeisterte Menschenmenge aus einem Fenster im Kanzleramt. Berlin, 30. Januar 1933.

Nachweise:
  • Bayerische Staatsbibliothek München

Adolf Hitler und die NSDAP gelangten am 30. Januar 1933 in Deutschland an die Macht. An diesem Tag ernannte der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Die zu diesem Zeitpunkt noch bestehende Weimarer Republik war die erste demokratische Republik auf deutschem Boden.

Die Weimarer Republik war fast 15 Jahre zuvor am Ende des Ersten Weltkriegs (1914–1918) durch eine Revolution gegründet worden. Sie trat an die Stelle des Deutschen Kaiserreiches (1871–1918), das am Ende des Krieges im November 1918 zusammenbrach. Die Weimarer Republik war eine parlamentarische Demokratie. Ihre Verfassung garantierte die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz. Sie garantierte auch Bürgerrechte wie Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit. Viele Deutsche begrüßten das Ende des Kaiserreiches und die Gründung der neuen Republik. Andere hingegen lehnten die Republik als illegitim ab. 

Hitler und die Nationalsozialisten lehnten die Weimarer Republik vehement ab. Sie hielten die parlamentarische Demokratie für eine schwache Regierungsform und verachteten die Staatsführung der Weimarer Republik für die Unterzeichnung des Versailler Vertrags im Juni 1919. Die Nationalsozialisten waren zudem extrem antisemitisch, das heißt, sie hassten Juden. Sie vertraten antisemitische Verschwörungstheorien über das Ende des Ersten Weltkriegs, die Gründung der Weimarer Republik und den Kommunismus. Sie gaben den Juden zu Unrecht die Schuld für viele der deutschen Nachkriegsprobleme. Die Nationalsozialisten forderten ein starkes, autoritäres Deutschland ohne Juden.

In den frühen 1920er Jahren war die NSDAP eine kleine, unpopuläre und irrelevante politische Bewegung. Bis Mitte 1930 hatte sich dies jedoch grundlegend geändert. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Weltwirtschaftskrise in Deutschland eine massive wirtschaftliche und politische Krise ausgelöst. Die Nationalsozialisten gewannen zunehmend an Popularität, indem sie die Weimarer Regierung als ineffektiv angriffen und versprachen, ein starkes Deutschland zu schaffen. In den darauffolgenden zweieinhalb Jahren nutzten die Nationalsozialisten das demokratische Regierungssystem der Weimarer Republik gezielt aus, um an die Macht zu gelangen. Dies war aufgrund von drei Schlüsselfaktoren möglich: 

  • Tatsächliche Unterstützung Hitlers und der NSDAP durch eine breite Masse von Deutschen ab Ende 1929  
  • Die Manipulation des demokratischen Regierungssystems durch verschiedene politische Akteure 
  • Hinterzimmerabsprachen des deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und einer kleinen Anzahl rechtsgerichteter, antidemokratischer Politiker im Jahr 1932 und Anfang 1933 

1918–1924: Die NSDAP am antidemokratischen politischen Rand

Die Weimarer Republik war in ihren ersten fünf Jahren eine instabile Demokratie. Nach dem Ersten Weltkrieg sah sich die neue Regierung sowohl mit innenpolitischen als auch mit internationalen Krisen konfrontiert. Wie viele europäische Länder kämpfte auch Deutschland mit Hunger, Krankheiten, Kriminalität und politischem Extremismus. Kommunistische Bewegungen, inspiriert von der bolschewistischen Revolution in Russland, zogen einige Deutsche an und versetzten viele andere in Angst und Schrecken. Vor diesem Hintergrund wurde nach dem Ersten Weltkrieg im Januar 1919 die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) gegründet, die 1920 unter Hitlers Führung in NSDAP umbenannt wurde. 

Die Ziele und die Ideologie der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

In den frühen 1920er Jahren war die NSDAP eine kleine, radikale, rechtsgerichtete, antisemitische Bewegung. Adolf Hitler wurde schnell zum unangefochtenen Führer der Partei. Wie in Hitlers frühen Reden und dem Parteiprogramm (1920) dargelegt, waren die Nationalsozialisten antisemitisch, ultranationalistisch und antidemokratisch sowie antikommunistisch. 

Hitler und die NSDAP verfolgten das Ziel, die Weimarer Republik zu stürzen und eine autoritäre Regierung einzusetzen. Sie versuchten zunächst, die Macht gewaltsam zu übernehmen. Ende 1921 verfügte die Partei über eine paramilitärische Einheit, die SA (Sturmabteilung). Die SA wurde bei Kundgebungen und Straßenkämpfen eingesetzt. Die Rhetorik und die Ziele der NSDAP waren so offensichtlich extrem, dass die Partei 1922 in mehreren deutschen Ländern als republikfeindlich verboten wurde. 

Der Hitler-Ludendorff-Putsch

Beer Hall Putsch, 1923

Hitlerfreundliche Truppen bei der Ankunft in München am 9. November 1923 während des Bierkeller-Putsches.

Nachweise:
  • US Holocaust Memorial Museum, courtesy of William O. McWorkman

Am 8. und 9. November 1923 versuchten Hitler und andere Mitglieder der NS-Führung, die Macht in Bayern zu übernehmen. Sie planten, anschließend nach Berlin zu marschieren, um die deutsche Regierung zu stürzen. Zu jener Zeit hatte die NSDAP etwa 55.000 Mitglieder.

Dieser Putschversuch, der als Hitler-Ludendorff-Putsch bekannt wurde, scheiterte schnell. Hitler wurde verhaftet, vor Gericht gestellt und wegen Hochverrats verurteilt. Der Prozess verhalf Hitler vor allem in rechtsgerichteten, nationalistischen Kreisen zur Bekanntheit. Als Reaktion auf den Putschversuch verboten und lösten die bayerischen Behörden die NSDAP, die SA und die nationalsozialistischen Zeitungen auf. 

1925–1929: Die Nationalsozialisten versuchen den „legalen“ Weg

In den Monaten, in denen Hitler im Gefängnis saß, stabilisierte sich die politische und wirtschaftliche Lage in der Weimarer Republik. Die deutsche Wirtschaft erholte sich, das politische System funktionierte, Kunst und Kultur erlebten eine Blütezeit. Diese Periode (1924–1929) wird oft als das goldene Zeitalter der Weimarer Republik bezeichnet. 

Als Hitler im Dezember 1924 aus dem Gefängnis entlassen wurde, sah er sich einer neuen politischen und wirtschaftlichen Landschaft gegenüber. Er erkannte, dass es für die Nationalsozialisten nicht möglich sein würde, die Kontrolle über Deutschland gewaltsam zu übernehmen. Daher beschloss Hitler, die politische Strategie der NSDAP zu ändern. Er beschloss, dass die Nationalsozialisten an den Reichstagswahlen teilnehmen und versuchen sollten, die Unterstützung der Massen zu gewinnen. Hitler nannte dies den Weg der „Legalität.“

Wir gehen ins Parlament, um uns mit Waffen aus dem Arsenal der Demokratie zu bewaffnen. Wir werden Abgeordnete, um die Weimarer Denkweise zu untergraben ... Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Missstand Freifahrscheine und Vergünstigungen zu gewähren, dann ist das ihre Sache. Wir machen uns keine Sorgen. Wir werden jedes legale Mittel einsetzen, um den gegenwärtigen Zustand grundlegend zu verändern.

– Joseph Goebbels, NS-Führer in Berlin 

Diese Entscheidung war innerhalb der antidemokratischen NS-Bewegung umstritten. Die NSDAP hatte jedoch nur ihre politische Strategie, nicht aber ihre Ideologie geändert. Hitler und die Nationalsozialisten verunglimpften weiterhin die Weimarer Republik, verurteilten die Parteipolitik und forderten einen autoritären Staat.

Aufbau der Infrastruktur der Parteibasis

Anfang 1925 hob die bayerische Regierung das Verbot der NSDAP auf. Hitler begann, die Bewegung wiederzubeleben und sie unter seiner Kontrolle zu vereinen. Die NS-Führung bemühte sich währenddessen, die nach dem Hitler-Ludendorff-Putsch geschrumpfte Mitgliederzahl der Partei wieder zu erhöhen. Sie gründete zudem neue paramilitärische NS-Organisationen. 1925 wurde die SS (Schutzstaffel) gegründet und 1926 die Hitlerjugend (HJ). 

1928 schuf die NS-Führung eine zentralisierte politische Organisation, die den Wirkungsbereich der Nationalsozialisten auf ganz Deutschland ausdehnte. Die neue Parteistruktur entsprach den Wahlkreisen in Deutschland, um den Wahlkampf zu erleichtern. Die ausgeklügelte Basisorganisation der Partei sollte schließlich dazu beitragen, dass Hitler 1933 an die Macht kam.

Schlechte Wahlergebnisse der Nationalsozialisten, 1926–1928

Trotz ihrer Bemühungen blieb die NSDAP Mitte und Ende der 1920er Jahre klein und überschaubar. Ihr radikaler Antisemitismus und ihre antidemokratischen Botschaften fanden in dieser Zeit des Wohlstands und der Stabilität nur wenig Anklang bei den Wählern. Bei den Landtagswahlen 1926 und 1927 erhielt die NSDAP zwischen 1,6 und 2,5 Prozent der Stimmen. Am 20. Mai 1928 traten die Nationalsozialisten zu den Reichstagswahlen an und erhielten nur 2,6 Prozent der Stimmen. Zu jener Zeit hatte die NSDAP etwa 100.000 Mitglieder.

Nach den Wahlen im Mai 1928 wurde der sozialdemokratische Politiker Hermann Müller Reichskanzler. Er leitete eine große Koalitionsregierung, der eine Reihe von politischen Parteien angehörten, welche die Weimarer Republik unterstützten.

Die Bemühungen der Nationalsozialisten, die Mittelschichten für sich zu gewinnen, 1928–1929

Das schlechte Wahlergebnis veranlasste die NSDAP zu einer neuen Taktik. Zuvor hatten die Nationalsozialisten versucht, Wähler aus der Arbeiterklasse für sich zu gewinnen. Nach den Wahlen im Mai 1928 bemühten sie sich jedoch verstärkt um die Wähler aus dem ländlichen Raum und der Mittelschicht. Sie versuchten, Kleinunternehmer, Handwerker, Angestellte, Landwirte und Landarbeiter anzusprechen. Die Nationalsozialisten hatten relativ schnell Erfolg, vor allem nachdem die deutsche Wirtschaft Anfang 1929 ins Wanken geriet.

NS-Propaganda, gezielte Botschaften und Antisemitismus

Hitler und andere NS-Politiker passten ihre Reden und Programme sorgfältig an die jeweilige Zielgruppe an. Dies ermöglichte es den Nationalsozialisten, lokale und regionale Belange, sowohl wirtschaftlicher als auch ideologischer Art, anzugehen. Die Nationalsozialisten boten eine utopische nationalistische Vision. Sie hofften, dass diese Vision eine breite Wählerschaft über alle sozialen Schichten hinweg ansprechen würde. 

Im Jahr 1928 begannen Hitler und die Nationalsozialisten, ihre extremsten antisemitischen Ideen herunterzuspielen. So erwähnten sie beispielsweise nicht mehr ihre Absicht, Juden von der deutschen Staatsbürgerschaft auszuschließen. 

Dennoch wussten die Deutschen, dass Hitler und die Nationalsozialisten die Juden hassten. Die nationalsozialistischen Zeitungen griffen weiterhin Juden an und verbreiteten antisemitische Verschwörungstheorien. Deutsche hörten oft, wie Gruppen von Nationalsozialisten antisemitische Lieder sangen und antisemitische Sprechchöre riefen. So skandierten Nationalsozialisten beispielsweise Sätze wie „Juden raus aus Deutschland“ und „Schlagt die Juden zu Tode“. Die Deutschen sahen auch, wie die Nationalsozialisten jüdische Betriebe boykottierten und verwüsteten. Darüber hinaus wurden sie Zeugen, wie sie Juden verprügelten und angriffen.

1930: Deutschlands Demokratie in der Krise und der Durchbruch der Nationalsozialisten

Das goldene Zeitalter der Weimarer Republik endete Ende 1929, als Deutschland von der Weltwirtschaftskrise erfasst wurde. Die Arbeitslosigkeit stieg rapide an. Viele Deutsche waren der Meinung, dass die Regierung nicht in der Lage war, die Krise zu bewältigen. Unter diesen Umständen begann die NSDAP, mehr Stimmen zu gewinnen. 

Politische Pattsituation in Deutschland

Die Wirtschaftskrise führte bald zu einer politischen Pattsituation in Deutschland. Die Regierungsparteien konnten sich nicht einigen, wie sie auf die sich verschlechternde Wirtschaftslage reagieren sollten. Im März 1930 traten Reichskanzler Müller und sein gesamtes Regierungskabinett wegen einer Debatte über den Umgang mit der überlasteten deutschen Arbeitslosenversicherung zurück. 

Anstelle von Müller (einem Sozialdemokraten) ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Heinrich Brüning zum Reichskanzler. Brüning war ein Politiker der Zentrumspartei. Der konservative Hindenburg wünschte sich eine rechtsgerichtete Regierung, die seinen Werten entsprach. Auf Anweisung Hindenburgs schloss Brünings Regierung die Mitte-Links-Sozialdemokraten aus. Diese Änderung bedeutete, dass Reichskanzler Brüning keine parlamentarische Mehrheit hatte, die ihn unterstützte. 

Brüning leitete das erste einer Reihe von sogenannten Präsidialkabinetten. Es handelte sich dabei um eine Regierung, die keine parlamentarische Mehrheit besaß und sich in erster Linie auf die Unterstützung Reichspräsident Hindenburgs stützte.

Regierungsführung mithilfe von Notverordnungen

Im Juli 1930 erließen Hindenburg und Brüning eine Notverordnung, um trotz des Widerstands des Parlaments einen deflationären Haushalt zu verabschieden. Sie beriefen sich auf Artikel 48 der Weimarer Verfassung. Artikel 48 erlaubte es dem Reichspräsidenten, im Falle eines nationalen Notstands Maßnahmen zu ergreifen, welche die Zustimmung des Reichstags umgehen. Das Parlament stimmte im Einklang mit seinem verfassungsmäßigen Recht dafür, Hindenburg zur Aufhebung der Notverordnung zu zwingen. Daraufhin lösten Hindenburg und Brüning den Reichstag auf und riefen neue, vorgezogene Reichstagswahlen aus.

Der Erfolg der Nationalsozialisten bei den Reichstagswahlen im September 1930

Die vorgezogenen Reichstagswahlen waren für den 14. September 1930 angesetzt. Hitler und die Nationalsozialisten führten einen aggressiven Wahlkampf. Ihre Botschaft konzentrierte sich darauf, die Weimarer Republik als schwach und ineffektiv zu verurteilen. 

Der Gauleiter der NSDAP in Berlin, Joseph Goebbels, koordinierte die landesweite Propagandakampagne, die Plakate, Aufmärsche und Kundgebungen umfasste. Im Monat vor der Wahl organisierten die Nationalsozialisten Zehntausende von Veranstaltungen in ganz Deutschland. In großen Städten sprach Hitler auf Massenveranstaltungen vor Tausenden von Menschen. Bei einigen dieser politischen Veranstaltungen kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Nationalsozialisten und ihren politischen Gegnern, insbesondere den Kommunisten.

Im September 1930 erhielt die NSDAP 18 Prozent der Stimmen. Sie wurde damit zur zweitstärksten politischen Partei im Parlament. Obwohl die Nationalsozialisten seit mehr als einem Jahr an Stimmen gewonnen hatten, überraschte das Wahlergebnis viele Deutsche und löste in ganz Deutschland einen Schock aus. Hitler war plötzlich ein wichtiger Akteur in der deutschen Politik. Reichskanzler Brüning weigerte sich jedoch, eine Koalitionsregierung mit der NSDAP einzugehen. 

1931: Die Krise der Demokratie vertieft sich

Im Jahr 1931 verschlechterte sich die wirtschaftliche, soziale und politische Lage in Deutschland weiter. Die Zahl der Arbeitslosen stieg. Die Banken brachen zusammen. Im politischen System Deutschlands gab es unter diesem Druck immer mehr Spannungen. Darüber hinaus beunruhigte das Erstarken der Kommunistischen Partei viele Deutsche.

Obwohl Hitler öffentlich versprochen hatte, den legalen Weg zu beschreiten, war sein Endziel die Zerstörung der deutschen Demokratie. Die Nationalsozialisten fanden Mittel und Wege, das Land zu destabilisieren und zu spalten, während sie gleichzeitig versprachen, dass nur sie allein Stabilität bringen und die Ordnung wiederherstellen könnten. 

Störung und Behinderung durch die NSDAP im Parlament

Im Parlament verhielten sich die nationalsozialistischen Abgeordneten absichtlich störend und rüpelhaft. Sie weigerten sich, die Maßnahmen der Regierung Brünings zu unterstützen und riefen regelmäßig zu Misstrauensvoten auf. Sie brachten die Parlamentssitzungen durch die Einbringung irrelevanter Geschäftsordnungsanträge zum Erliegen. 

Brüning versuchte, diese Situation zu umgehen. Mit der Unterstützung Hindenburgs griff er wiederholt auf Artikel 48 zurück, um Notverordnungen zu erlassen. Er ergriff wirtschaftliche Maßnahmen, die wenig zur Verringerung der Arbeitslosigkeit oder zur Unterstützung der verarmten Menschen beitrugen. Infolgedessen begannen die Kommunisten, ihn als „Hungerkanzler“ zu bezeichnen. Brüning schickte den Reichstag zudem in lange Pausen zwischen den Sitzungsperioden. 

Untergrabung der öffentlichen Ordnung durch politische Gewalt 

Adolf Hitler stands with an SA unit during a Nazi parade in Weimar

Adolf Hitler zusammen mit einer SA-Einheit während einer Parade in Weimar, wo 1919 die Verfassung der Weimarer Republik ausgearbeitet worden war. Weimar, Deutschland, 1931.

Nachweise:
  • US Holocaust Memorial Museum, courtesy of James Sanders

1931 war die politische Gewalt auf Deutschlands Straßen unkontrollierbar geworden. Dies ist zum großen Teil auf die Zunahme paramilitärischer Gruppen zurückzuführen, die mit Parteien aus dem gesamten politischen Spektrum verbunden waren. Die paramilitärische SA der NSDAP war besonders radikal und gewalttätig. SA-Männer misshandelten häufig Juden und zerschlugen die Fenster jüdischer Betriebe. Sie lieferten sich regelmäßig Schlägereien mit ihren politischen Gegnern, insbesondere mit Kommunisten, wobei es auch zu Mord und Totschlag kam. Im Gegenzug wurden zahlreiche Nationalsozialisten von gegnerischen Gruppen getötet. Der deutschen Regierung und den Polizeikräften gelang es nicht, die politische Gewalt einzudämmen. Hierdurch wurde das Vertrauen vieler Deutscher in die Weimarer Republik weiter erschüttert.

Bemühungen der Regierung, die Unruhen zu stoppen

Sowohl die Reichsregierung als auch die Landesregierungen versuchten, das von den Nationalsozialisten und den Kommunisten verursachte Chaos zu beenden. 1931 erließ die Regierung Brünings vier Notverordnungen im Zusammenhang mit den politischen Unruhen. Diese Verordnungen erlaubten es den Behörden, im Namen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung die Meinungs- und Versammlungsfreiheit einzuschränken. So konnten sie beispielsweise das Tragen von politischen Uniformen oder Abzeichen verbieten, Zeitungen beschlagnahmen und bestimmte Versammlungen verbieten. 

Keine dieser Maßnahmen konnte den Aufstieg der NS-Bewegung aufhalten. Ende 1931 zählte die NSDAP 806.294 Mitglieder. Auch bei den Kommunal- und Landtagswahlen in diesem Jahr schnitt die Partei gut ab. 

1932: Ein Jahr der Wahlen und politischen Intrigen

Im Jahr 1932 fanden in Deutschland fünf wichtige Wahlen statt. Von Ende Februar bis November beherrschten politische Kundgebungen, Demonstrationen und Aufmärsche das Leben in Deutschland. In ihren Wahlkampagnen versuchten die Nationalsozialisten, das Gefühl zu vermitteln, sie seien die Zukunft und ihr Sieg sei unvermeidlich. Dazu nutzten sie neue Technologien wie Radio und Flugzeuge, um auf unerwartete Weise Wahlkampf zu betreiben. Sie fertigten Tonaufnahmen von Wahlkampfreden an und verbreiteten diese und nutzen ebenfalls das noch recht neue Medium des Tonfilms. Hitler erregte mediale Aufmerksamkeit, als er mit dem Flugzeug durch Deutschland reiste. Er besuchte täglich mehrere Städte und hielt kurze Reden vor Zehntausenden von Menschen. 

Neben dem Wahlkampf verhandelte Hitler oft hinter den Kulissen mit einer kleinen Gruppe rechtsgerichteter Politiker in der Hoffnung, in die Regierung einzutreten. Zu diesen Politikern gehörten:

  • Reichspräsident Hindenburg und sein Sohn Oskar
  • Hindenburgs Stabschef Otto Meissner 
  • General Kurt von Schleicher
  • Alfred Hugenberg (der Vorsitzende der rechtsgerichteten Deutschnationalen Volkspartei bzw. DNVP)
  • Franz von Papen 

Wie Hitler waren diese Männer gegen die Weimarer Republik, hassten die Sozialdemokraten und fürchteten den Kommunismus. Sie hofften, die Popularität der Nationalsozialisten für ihre eigenen Zwecke nutzen zu können. Sie waren bereit, alle Aspekte des Nationalsozialismus und die Persönlichkeit Hitlers zu ignorieren, die ihnen missfielen. Diese Männer schlossen sich mit Hitler und den Nationalsozialisten zusammen, um die Krise in Deutschland auszunutzen. Gemeinsam höhlten sie die deutsche Demokratie aus und zerstörten sie schließlich.

Die Entscheidungen dieser kleinen Gruppe erklären, wie und warum Hitler damals an die Macht kam. 

Hitler kandidiert für das Amt des Reichspräsidenten, März–April 1932

Im Jahr 1932 endete die erste siebenjährige Amtszeit des Reichspräsidenten Hindenburg. Neue Wahlen für das Amt des Reichspräsidenten wurden für den 13. März angesetzt. Hitler beschloss, Hindenburg herauszufordern, der nur widerwillig zur Wiederwahl kandidiert hatte. Hindenburg genoss die Unterstützung vieler politischer Parteien aus dem gesamten politischen Spektrum. 

Hitler, der 42 Jahre alt war, präsentierte sich als einzige Hoffnung für Deutschlands Zukunft. Er betonte, dass die nationalsozialistische Bewegung die Partei der Jugend sei. In Reden bezeichnete Hitler den 84-jährigen Hindenburg oft als „alten Mann“. Außerdem griff er konsequent die Sozialdemokraten (die sich für Hindenburg entschieden hatten) und die Weimarer Republik an. Am 13. März erhielt Hindenburg etwas unter 50 Prozent der Stimmen und verfehlte damit nur knapp die absolute Mehrheit. Hitler erhielt 30 Prozent der Stimmen. Bei der Stichwahl am 10. April gewann Hindenburg mit 53 Prozent der Stimmen die Reichspräsidentenwahl. Hitler steigerte seinen Stimmenanteil auf knapp 37 Prozent. 

Erfolg der Nationalsozialisten bei den Landtagswahlen in Preußen, April 1932

Am 24. April fanden in Preußen und mehreren anderen deutschen Ländern Landtagswahlen statt. Die Wahl in Preußen war besonders wichtig, denn Preußen war das mit Abstand größte deutsche Bundesland. Hier lebten etwa 38 Millionen Menschen, die etwa 60 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachten. 

Die Nationalsozialisten setzten ihren Wahlkampf fieberhaft fort und bauten auf der Dynamik des Präsidentschaftswahlkampfs auf. Die NSDAP erhielt in Preußen 36 Prozent der Stimmen. Trotz dieser beachtlichen Leistung gelang es den Nationalsozialisten nicht, die preußische Regierung zu übernehmen oder ihr beizutreten. Stattdessen blieb die Mitte-Links-Regierungskoalition vorübergehend an der Macht. Dabei handelte es sich um eine Übergangsregierung ohne Mehrheit im preußischen Landtag.

Entlassung von Reichskanzler Brüning 

Ende Mai 1932 entließ Hindenburg Reichskanzler Brüning. Diese Entlassung war das Ergebnis von Hindenburgs Frustration über den Reichskanzler sowie politischer Intrigen in Hindenburgs engstem Kreis. An Brünings Stelle ernannte Hindenburg Franz von Papen. Papen, weiter rechts und konservativer als Brüning, entsprach besser den Zielen Hindenburgs und seiner Berater. 

Die Nationalsozialisten unterstützten die Ernennung Papens im Gegenzug für zwei Zugeständnisse. Erstens forderten sie, dass die Reichsregierung das nationale Verbot der SA aufheben solle. Die Regierung Brünings hatte dieses Verbot im April verhängt. Zweitens forderten die Nationalsozialisten vorgezogene Reichstagswahlen. Papen und Hindenburg stimmten zu. Das Verbot der SA wurde aufgehoben, der Reichstag aufgelöst und für den 31. Juli wurden Neuwahlen angesetzt. Angesichts der Ergebnisse der Nationalsozialisten bei den Landtagswahlen in Preußen war es fast sicher, dass sie gut abschneiden würden. 

Im Nachhinein betrachtet war Hindenburgs Entscheidung, Brüning zu entlassen und Neuwahlen auszurufen, eine der folgenreichsten Entscheidungen dieser Zeit. Sie trug zur Machtübernahme der Nationalsozialisten bei. Die Neuwahlen verschärften die politischen Spannungen und ebneten den Weg dafür, dass die Nationalsozialisten die stärkste Partei in Deutschland wurden.

Ein Schlag gegen die Demokratie: Reichskanzler Franz von Papen und der Putsch in Preußen

Nach der Aufhebung des SA-Verbots eskalierte die politische Gewalt auf den Straßen Deutschlands weiter. Papen nahm einen von der SA ausgelösten blutigen Zwischenfall in der preußischen Stadt Altona zum Vorwand, um die Kontrolle über die preußische Landesregierung zu übernehmen. Hindenburg und Papen behaupteten, die politische Gewalt stelle einen Notstand dar. Sie nutzten Artikel 48, um die Kontrolle über Preußen zu übernehmen. Papen wurde Reichskommissar in Preußen und entfernte linke und zentristische Politiker aus ihren Ämtern.

Papens autoritäre Machtübernahme in Preußen schwächte den Pluralismus des föderalen Systems der Weimarer Republik. Sie ebnete den Weg für die Abschaffung der Demokratie und die Schaffung einer autoritäreren Ordnung in Deutschland. Dies sollte sechs Monate später, nachdem Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, schwerwiegende Konsequenzen haben. 

Anhänger der Nationalsozialisten marschieren bei einer Wahlkampfkundgebung in Waldenburg auf. In seiner Rede greift Hitler die Weimarer Republik an und verspricht, das parlamentarische System bald nach seiner Machtübernahme aufzulösen.

Nachweise:
  • British Movietone News Ltd.

 

Die Reichstagswahlen im Juli 1932

Im Vorfeld der Wahlen im Juli 1932 führten die Nationalsozialisten erneut mit großem Eifer Wahlkampf und knüpften dabei an frühere Wahlkampfthemen an. Einer ihrer Slogans war „Deutschland erwache! Gebt Adolf Hitler die Macht!“ Die Nationalsozialisten verurteilten die Kommunistische Partei und die Regierung der Weimarer Republik. Sie verbreiteten ihre Botschaft auf Massenkundgebungen, auf Plakaten, in Zeitungen und Flugblättern. Trotz ihrer früheren Abmachung griffen die Nationalsozialisten auch Papens Kabinett vehement an. 

Bei den Wahlen am 31. Juli 1932 erhielt die NSDAP 37 Prozent der Stimmen und wurde somit die stärkste politische Partei im Parlament. Aufgrund dieses Ergebnisses forderte Hitler seine Ernennung zum Reichskanzler. Reichspräsident Hindenburg lehnte dies ab. Die SA war nach den Wahlen zunehmend gewalttätig geworden. Ihr Handeln beunruhigte Hindenburg und seine Berater. Hitler war gedemütigt und wütend. Er lehnte es ab, der Regierung in einer anderen Funktion beizutreten. 

Ein von Nationalsozialisten dominiertes Parlament

Nach der Wahl im Juli sah sich Reichskanzler Papen mit einem feindseligen Parlament konfrontiert. Die Nationalsozialisten und die Kommunisten kontrollierten mehr als die Hälfte der Sitze. Im September 1932 löste Papen mit Hindenburgs Zustimmung den Reichstag auf. Damit wollte er einem Misstrauensvotum des Reichstags gegen seine Regierung entgehen. Im November gab es erneut vorgezogene Reichstagswahlen. 

Die NSDAP verliert Stimmen, Wahlen im November 1932

Bei den Wahlen im November 1932 waren die Deutschen von den ständigen Wahlkämpfen erschöpft. Selbst die Nationalsozialisten waren ermüdet und pessimistisch. Doch Hitler setzte seinen Wahlkampf beharrlich fort. Er griff Papen als Reaktionär an und verurteilte seine wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen. Ein Wahlplakat nannte Hitler „unsere letzte Hoffnung“. 

Die Wahl am 6. November 1932 wurde ein schwerer Rückschlag für die NSDAP. Die Wahlbeteiligung war niedriger als zuvor und die Nationalsozialisten erhielten 33 Prozent der Stimmen, 4 Prozent weniger als im Juli. Der Eindruck der Dynamik und Unbesiegbarkeit der Nationalsozialisten war gebrochen. 

Diese Wahl schien den Deutschen und internationalen Beobachtern den Zusammenbruch der NSDAP zu signalisieren. Die Ergebnisse veränderten jedoch das Kräfteverhältnis nicht wirklich. Die NSDAP war immer noch die stärkste Partei im Reichstag und Hitler weigerte sich weiterhin, Kompromisse einzugehen. Er bestand darauf, zu seinen Bedingungen zum Reichskanzler ernannt zu werden. Die Pattsituation hielt an. Keine der politischen Parteien konnte sich auf die Bildung einer Regierungskoalition einigen.

Hinterzimmerverhandlungen

Anfang Dezember ernannte Reichspräsident Hindenburg General Kurt von Schleicher zum Reichskanzler. Schleicher war sein langjähriger Verbündeter. Allerdings verlor er schnell das Vertrauen Hindenburgs und es gelang auch ihm nicht, eine praktikable Lösung für das Regierungsproblem zu finden. 

Ende Dezember 1932 und im Verlauf des gesamten Januars 1933 plante Papen, die Regierung von Reichskanzler Schleicher zu stürzen. Er drängte Hindenburg, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Anfänglich leistete der Reichspräsident weiterhin Widerstand. Also forderte Papen Hindenburgs engste Vertraute und andere konservative, antidemokratische Politiker auf, ihn zu überreden. Ende Januar überzeugte diese Gruppe Hindenburg schließlich. Hindenburg ernannte Hitler am 30. Januar zum Reichskanzler. Hindenburg und seine Berater, allen voran Papen, waren zuversichtlich, dass sie Hitler kontrollieren und seine Macht einschränken könnten. 

1933: Hitler kommt an die Macht

Im Jahr 1933 überschlugen sich die Ereignisse. Im Januar stieg Hitler vom Außenseiter zum Reichskanzler Deutschlands auf. Als Reichskanzler machte er sich schnell daran, seine Wahlversprechen einzulösen und Deutschland von einer Demokratie in eine Diktatur zu verwandeln. 

Hitlers erstes Kabinett

Hitler führte eine rechtsgerichtete Koalitionsregierung an, zu der die NSDAP und die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) gehörten. Franz von Papen fungierte als Vizekanzler. Neben dem Reichskanzleramt verlangte Hitler zunächst, dass nur zwei Kabinettsposten mit nationalsozialistischen Politikern besetzt werden. Wilhelm Frick wurde Innenminister. In dieser Funktion war er für Sicherheit und Polizeiarbeit zuständig. Hermann Göring wurde Minister ohne Geschäftsbereich. Alle anderen Kabinettsposten wurden von Angehörigen anderer Parteien besetzt. 

Auf Hitlers Forderung hin löste Hindenburg den Reichstag auf und rief Neuwahlen aus. Dies war die dritte Reichstagswahl in weniger als einem Jahr.

Die ersten Schritte von der Demokratie zur Diktatur

Am 30. Januar 1933 war Adolf Hitler zwar deutscher Reichskanzler, aber noch kein Diktator. Die demokratische Verfassung der Weimarer Republik war noch in Kraft. Hitler und andere Mitglieder der NS-Führung waren jedoch bereit, jede Gelegenheit und jedes rechtliche Schlupfloch zu nutzen, um Deutschland von einer Demokratie in eine Diktatur zu verwandeln.

Ende Februar brannte das Gebäude des Reichstags bei einem Brandanschlag nieder. Die Nationalsozialisten nutzten diesen Brand als Gelegenheit, um ihre Macht auszuweiten. Hitler überzeugte Hindenburg, Artikel 48 anzuwenden, um die Reichstagsbrandverordnung zu erlassen. Mit dem ersten Artikel dieser Notverordnung wurden die Bürgerrechte und die Rechtsstaatlichkeit auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Der zweite Artikel erlaubte es der Reichsregierung, die Landesregierungen zu übernehmen, wie es Papen bereits zuvor in Preußen getan hatte. Auf der Grundlage dieser Verordnung begannen die Nationalsozialisten, politische Gegner (einschließlich Reichstagsabgeordneten) einzuschüchtern, die Polizeibefugnisse auszuweiten und Konzentrationslager einzurichten. 

Die letzte Mehrparteienwahl, 5. März 1933

Die Reichstagswahlen im März 1933 fanden in einer Atmosphäre der Einschüchterung und des Terrors durch die Nationalsozialisten gegen ihre linken politischen Gegner statt. Vor der Wahl verhafteten die Nationalsozialisten die meisten Führer der Kommunistischen Partei, darunter den Parteivorsitzenden Ernst Thälmann. Die Regierung nutzte die Reichstagsbrandverordnung, um die Wahlkampfmöglichkeiten der Sozialdemokraten und Kommunisten drastisch einzuschränken. 

Bei den Wahlen erhielt die NSDAP fast 44 Prozent der Stimmen. Ihre konservativen Koalitionspartner erhielten 8 Prozent. Insgesamt erhielt Hitlers Regierung dadurch mehr als 50 Prozent Unterstützung im Reichstag. Doch selbst inmitten von Unterdrückung und Terror erhielten die Sozialdemokraten 18 Prozent und die Kommunisten 12 Prozent. Die Wahl im März 1933 war die letzte Mehrparteienwahl in Deutschland bis nach dem Zweiten Weltkrieg

Das Ermächtigungsgesetz, 23. März 1933 

SS detachment files into Kroll Opera House for opening of a Reichstag

Am Tag der Abstimmung über das sogenannte Ermächtigungsgesetz schickte die NS-Führung SS-Truppen in das provisorische Reichstagsgebäude, die ehemalige Kroll-Oper, um andere politische Parteien einzuschüchtern. Berlin, Donnerstag, 23. März 1933.

Das Ermächtigungsgesetz gestattete es der Reichsregierung, Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen, und legte damit den Grundstein für die vollständige Nazifizierung der deutschen Gesellschaft. Der vollständige Name des Gesetzes lautete „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich.“

Nachweise:
  • Nederlands Instituut voor Oorlogsdocumentatie

Am 23. März verabschiedete der neu gewählte Reichstag das Ermächtigungsgesetz. Dieses Gesetz gab Reichskanzler Hitler die Befugnis, Gesetze ohne Zustimmung des Reichstags zu erlassen. Gemäß diesem Gesetz konnte Hitler sogar Gesetze erlassen, die gegen die Verfassung verstießen. 

Um die Verabschiedung dieses Gesetzes zu gewährleisten, schüchterten Hitler und die NSDAP viele Abgeordnete ein, verfolgten oder verhafteten sie. Das Ermächtigungsgesetz wurde nur verabschiedet, weil die Regierung Hitlers andere politische Parteien unterdrückte und einschüchterte und die parlamentarischen Regeln manipulierte. 

Hitler nutzte die ihm durch das Ermächtigungsgesetz übertragenen Befugnisse, um Deutschlands Demokratie weiter zu zerstören. Am 7. April erließ das NS-Regime das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Dieses Gesetz erlaubte es der Regierung, Regierungsbeamte aus politischen Gründen oder weil sie Juden waren, zu entlassen. Bald folgten zahlreiche weitere diskriminierende und diktatorische Maßnahmen. 

Im Juli 1933 wurde die NSDAP die einzige legale politische Partei in Deutschland.

1934: Hitler wird zum Diktator

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten war im August 1934 mit dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg abgeschlossen. Durch ein neues Gesetz wurden die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers zusammengelegt und Hitler mit den Befugnissen beider Ämter ausgestattet. Hitler wurde zum absoluten Diktator Deutschlands. Seine Autorität unterlag nun keinerlei rechtlichen oder verfassungsrechtlichen Beschränkungen mehr.

Fußnoten

  1. Footnote reference1.

    Joseph Goebbels, „Was wollen wir im Reichstag?“ in seiner Zeitung Der Angriff, 30. April 1928.

  2. Footnote reference2.

    In der Weimarer Republik trat bei den Wahlen auf Reichs-, Landes- und Kommunalebene eine Vielzahl politischer Parteien an. Reichstagswahlen fanden alle vier Jahre statt, und es gab Bestimmungen für vorgezogene Wahlen. In der Geschichte der Weimarer Republik hat keine politische Partei bei Reichstagswahlen je die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten. Mehrere Parteien schlossen sich zusammen, um einen Reichskanzler zu unterstützen und Koalitionsregierungen zu bilden.

  3. Footnote reference3.

    Die Verfassung machte Deutschland zu einer föderativen Republik. Dies bedeutete, dass sie aus konstituierenden Ländern bestand, die ihre eigenen Regierungen und Landesverfassungen hatten. Die größten deutschen Länder waren Preußen (auf das etwas mehr als 60 Prozent der deutschen Bevölkerung entfielen) und Bayern (mehr als 11 Prozent). Die Reichsregierung teilte die Macht mit den Ländern.

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