<p>Diese Karte war Bestandteil eines geheimen, nicht datierten Berichts, den die Nationalsozialisten über den Massenmord an Juden durch die Einsatzgruppe A angefertigt hatten. Die Karte wurde dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg sowohl von der amerikanischen als auch von der britischen Staatsanwaltschaft als Beweis vorgelegt. Das Dokument trägt den Titel „Von der Einsatzgruppe A durchgeführte Judenexekutionen“ sowie einen Stempel mit der Aufschrift „Geheime Reichssache“. Die Karte gibt Aufschluss über die Anzahl der in den baltischen Staaten und Weißrussland bis Ende 1941 hingerichteten Juden (dargestellt durch einen Sarg). Gemäß dem Verweis unten auf der Karte betrug „die geschätzte Zahl der noch</p>

Dokumentation der Zahlen der Opfer des Holocaust und der NS-Verfolgung

Der Holocaust ist der am ausführlichsten dokumentierte Fall von Völkermord. Dennoch ist es unmöglich, die genaue Zahl der Menschen zu erfassen, die infolge der NS-Politik getötet wurden. Es gibt kein einziges Kriegsdokument, aus dem klar hervorgeht, wie viele Menschen getötet wurden. 

Wichtige Fakten

  • 1

    Gegen Ende des Kriegs versuchten die Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure, einen Großteil der vorhandenen Unterlagen und andere physische Beweise zu vernichten.

  • 2

    Um das Ausmaß der Menschenverluste genau einschätzen zu können, haben Wissenschaftler, Regierungsbehörden und jüdische Organisationen seit den 1940er Jahren unterschiedliche Aufzeichnungen herangezogen. Dazu gehörten unter anderem Volkszählungen, deutsche Archive, Archive der Achsenmächte sowie Unterlagen aus Nachkriegsuntersuchungen.

  • 3

    Die momentanen Schätzungen können sich jederzeit ändern, zum Beispiel wenn neue Dokumente entdeckt werden oder Historiker zu genaueren Erkenntnissen gelangen. Nach 70 Jahren Forschung und immer mehr zugänglichen Archiven werden dennoch keine genauen Zahlen ermittelt werden können. Dieser Bereich der Forschung wird sich in den kommenden Jahren wahrscheinlich nicht dramatisch ändern.

Einleitung

Der Holocaust war die systematische, bürokratische, staatlich unterstützte Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen jüdischen Männern, Frauen und Kindern durch das NS-Regime und seine Kollaborateure. Die Nazis, die im Januar 1933 in Deutschland an die Macht kamen, glaubten, die Deutschen seien „rassisch überlegen“ und wollten einen „rassisch reinen“ Staat schaffen. Juden, die als „minderwertig“ eingestuft wurden, galten als Bedrohung für die sogenannte deutsche Rassengemeinschaft.

Während der Zeit des Holocausts haben deutsche Behörden auch andere Gruppen, darunter manchmal auch Kinder wegen ihrer rassischen und biologischen Minderwertigkeit,verfolgt und getötet,darunter Sinti und Roma, Deutsche mit Behinderungen und einige slawische Völker (insbesondere Polen und Russen). Andere Gruppen wurden aus politischen, ideologischen und Verhaltensgründen verfolgt, darunter Kommunisten, Sozialisten, Zeugen Jehovas, und Homosexuelle.

Da die Nazis das Töten von Kindern „unerwünschter“ Gruppen befürworteten, waren Kinder—insbesondere jüdische und Roma-Kinder—in Zeiten des Holocausts besonders gefährdet.

Die Berechnung der Anzahl der Personen, die infolge der NS-Politik getötet wurden, ist eine große Herausforderung. Es gibt kein einziges von den NS-Behörden erstelltes Dokument, aus dem hervorgeht, wie viele Menschen im Holocaust oder im Zweiten Weltkrieg getötet wurden.

Um das Ausmaß der Menschenverluste genauer einschätzen zu können, haben Wissenschaftler, jüdische Organisationen und Regierungsbehörden seit den 1940er Jahren unterschiedliche Aufzeichnungen herangezogen, um daraus Statistiken zu erstellen. Dazu gehörten deutsche Archive und Archive der Achsenmächte sowie Unterlagen aus Nachkriegsuntersuchungen. Die Anzahl der geschätzten Menschenverluste kann sich jederzeit ändern, sobald weitere Dokumente ans Licht kommen oder Wissenschaftler zu einem genaueren Verständnis des Holocaust gelangen.

Bei dem Versuch, die Zahl der Opfer des Holocaust zu dokumentieren, darf vor allem eines nicht vergessen werden: Nirgendwo auf der Welt existiert eine allumfassende Liste derer, die dabei ums Leben gekommen sind.

Dokumentation des Holocaust: Beispiele für Dokumente

Nachfolgend sind die derzeit genauesten Schätzungen aufgeführt, was die Anzahl der Zivilisten und entwaffneten Soldaten betrifft, die durch die Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure getötet wurden.

Die Schätzungen basieren auf Kriegsberichten derjenigen, die die NS-Bevölkerungspolitik umgesetzt haben, sowie auf demographischen Studien zum Bevölkerungsverlust während des Zweiten Weltkriegs, die nach dem Krieg durchgeführt wurden.

Anzahl der Todesfälle

Gruppe Anzahl der Todesfälle
Juden 6 Millionen
Sowjetische Zivilisten ca. 7 Millionen (darunter 1,3 sowjetisch-jüdische Zivilisten, die in den 6 Millionen Juden enthalten sind)
Sowjetische Kriegsgefangene ca. 3 Millionen (darunter rund 50.000 jüdische Soldaten)
Nichtjüdische polnische Zivilisten ca. 1,8 Millionen (darunter zwischen 50.000 und 100.000 Mitglieder der polnischen Elite)
Serbische Zivilisten (auf dem Gebiet von Kroatien, Bosnien und Herzegowina) 312.000
Menschen mit Behinderungen, die in Einrichtungen untergebracht waren bis zu 250.000
Sinti und Roma bis zu 250.000
Zeugen Jehovas ca. 1.900
Wiederholungsstraftäter und so genannte Asoziale mindestens 70.000
deutsche politische Gegner und Widerstandskämpfer in von den Achsenmächten besetzten Gebieten unbestimmt
Homosexuelle Hunderte, vermutlich Tausende (eventuell zum Teil bei den oben genannten 70.000 Wiederholungsstraftätern und so genannten Asozialen erfasst)

Jüdische Verluste nach Todesort

Hinsichtlich der Zahl der Juden, die ihr Leben im Holocaust verloren haben, sind nachfolgend die genausten Schätzungen nach Todesort aufgeführt:

Todesort Jüdische Verluste
Auschwitz-Komplex (einschließlich Birkenau, Monowitz und Nebenlager) ca. 1 Million
Treblinka 2 ca. 925.000
Belzec 434.508
Sobibor mindestens 167.000
Chelmno 156.000 bis 172.000
Erschießungen an verschiedenen Orten im mittleren und südlichen von den Deutschen besetzten Polen (Generalgouvernement) mindestens 200.000
Erschießungen im von den Deutschen annektierten Westpolen (Bezirk Wartheland) mindestens 20.000
Todesfälle in anderen, von den Deutschen als Konzentrationslager bezeichneten, Einrichtungen mindestens 150.000
Erschießungen und Gaswagen an Hunderten von Standorten in der von Deutschland besetzten Sowjetunion mindestens 1,3 Millionen
Erschießungen in der Sowjetunion (deutsche, österreichische und tschechische Juden, die in die Sowjetunion deportiert wurden) ca. 55.000
Erschießungen und Gaswagen in Serbien mindestens 15.088
In Kroatien unter dem Ustaša-Regime erschossen oder zu Tode gefoltert 23.000 bis 25.000
Todesfälle in Ghettos mindestens 800.000
Sonstige1 mindestens 500.000

Hinweise zur Dokumentation

Kein Kriegsdokument

Es gibt kein einziges Kriegsdokument, das die oben zitierten Schätzungen über jüdische Todesfälle enthält.

Hierfür gibt es drei wesentliche Gründe, die miteinander zusammenhängen:

  1. Die Aufstellung einer umfassenden Statistik der getöteten Juden durch deutsche Behörden und Behörden anderer Achsenmächte begann zwischen 1942 und 1943. Die Arbeiten wurden in den letzten anderthalb Jahren des Krieges wieder eingestellt.
  2. Als Anfang 1943 klar wurde, dass sie den Krieg verlieren würden, zerstörten die Deutschen und ihre Achsenverbündeten einen Großteil der vorhandenen Dokumentation. Sie zerstörten außerdem physische Beweise für Massenmord.
  3. Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs und des NS-Regimes gab es niemanden, der sich damit beschäftigt hätte, die Anzahl der jüdischen Todesfälle festzuhalten. Die Gesamtschätzungen wurden erst nach Kriegsende berechnet und basieren auf Daten zu demographischen Verlusten und Unterlagen der Täter. Wenngleich auch nur bruchstückhaft vorhanden, liefern diese Quellen wichtige Zahlen, aus denen sich Berechnungen ableiten lassen.

Eine einzige zentral gesteuerte statistische Erhebung über die Zahl der von deutschen Behörden getöteten Juden hat den Krieg überdauert. Eine Ausfertigung davon befand sich bei den Aufzeichnungen, die 1945 von der US-Armee sichergestellt wurden. Ferner wurden mehrere regional erhobene Datensammlungen zu NS-Gräueltaten nach dem Zweiten Weltkrieg von US-amerikanischen, britischen und sowjetischen Streitkräften sichergestellt. Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion haben die meisten dieser Dokumente früher oder später als Beweismaterial in Straf- oder Zivilverfahren gegen NS-Täter verwendet.

Zahlen zu polnischen und sowjetischen Zivilisten

Was die Zahlen der polnischen und sowjetischen Zivilisten betrifft, so gibt es derzeit nicht genügend demographische Instrumente, die es Historikern ermöglichen würden, zwischen folgenden Größen zu unterscheiden:

  1. rassenideologische Zielpersonen
  2. Personen, die tatsächlich oder vermeintlich im Widerstand aktiv waren
  3. Personen, die im Rahmen eines Vergeltungsaktes für eine von einer anderen Person tatsächlich durchgeführte oder vermutete Widerstandshandlung getötet wurden
  4. Verluste durch sogenannte Kollateralschäden bei militärischen Einsätzen

Nahezu alle Todesfälle von sowjetischen, polnischen und serbischen Zivilisten im Zuge von militärischen und Anti-Partisanen-Operationen hatten jedoch einen rassistischen Hintergrund. Deutsche Einheiten führten diese Operationen mit einer ideologisch motivierten und vorsätzlichen Missachtung des zivilen Lebens durch.

Schlussfolgerung

Für die Forschung und um das Ausmaß der Verbrechen nachzuvollziehen, ist es wichtig die Zahl der Opfer zu ermitteln. Die Größenordnung ist klar. Und hinter jeder Zahl  stehen Individuen, deren Hoffnungen und Träume zerstört wurden. Es ist wichtig, den Opfern Namen zu verleihen, um ihre von ihren Mördern geraubte Individualität und Würde wiederherzustellen. 

Anmerkung (1)Unter „Sonstige“ sind unter anderem Personen erfasst, die bei folgenden Ereignissen getötet wurden: Massenschießereien in Polen in den Jahren 1939-1940; als Partisanen in Jugoslawien, Griechenland, Italien, Frankreich oder Belgien; in ungarischen Arbeitskommandos; im Rahmen antisemitischer Maßnahmen in Deutschland und Österreich vor dem Krieg; durch die Eiserne Garde in Rumänien in den Jahren 1940-1941; bei Evakuierungsmärschen aus Konzentrationslagern und Arbeitslagern in den letzten sechs Monaten des zweiten Weltkriegs. Dazu gehören auch Menschen, die in Polen, Serbien und anderen Teilen des von Deutschland besetzten Europas in Verstecken aufgespürt und getötet wurden.

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