<p>Diese Karte war Bestandteil eines geheimen, nicht datierten Berichts, den die Nationalsozialisten über den Massenmord an Juden durch die Einsatzgruppe A angefertigt hatten. Die Karte wurde dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg sowohl von der amerikanischen als auch von der britischen Staatsanwaltschaft als Beweis vorgelegt. Das Dokument trägt den Titel „Von der Einsatzgruppe A durchgeführte Judenexekutionen“ sowie einen Stempel mit der Aufschrift „Geheime Reichssache“. Die Karte gibt Aufschluss über die Anzahl der in den baltischen Staaten und Weißrussland bis Ende 1941 hingerichteten Juden (dargestellt durch einen Sarg). Gemäß dem Verweis unten auf der Karte betrug „die geschätzte Zahl der noch</p>

Einsatzgruppen

Einsatzgruppen waren spezielle SS- und Polizeieinheiten. Sie waren mit der Sicherung der besetzten Gebiete beim Vorstoß der deutschen Wehrmacht in Osteuropa beauftragt. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 begingen die Truppen rücksichtslos den Massenmord an sowjetischen Juden, Sinti, Roma und politischen Gegnern.

Wichtige Fakten

  • 1

    Bis zum Frühjahr 1943 hatten die Einsatzgruppen in der Sowjetunion mehr als eine Million Juden in Gaswagen oder durch Erschießen getötet.

  • 2

    Die Kommandanten der Einsatzgruppen fertigten ausführliche Berichte an, aus denen die Ermordung der Zivilisten und die Orte, an denen die Morde stattfanden, hervorgehen.

  • 3

    Diese Truppen griffen in großem Umfang auf ortsansässige Kollaborateure zurück, die ihnen dabei halfen, Juden und andere Zielpersonen in der besetzten Sowjetunion zu lokalisieren und zu ermorden.

Massenerschießungen

SS-Trupenführen eine Gruppe von Polen in einen Wald zur Hinrichtung

Zwischen 1941 und 1944 wurden mehr als zwei Millionen in der Sowjetunion lebende Juden (Grenzen von 1941) im Zuge der Massenerschießungen von der SS, deutschen Polizeidivisionen, Militäreinheiten und vor Ort rekrutierten Kollaborateuren hingerichtet.

Die Deutschen entsandten vier Einsatzgruppen (mobile Einheiten des Reichssicherheitshauptamtes in der Größe eines Bataillons), Dutzende von Polizeibataillonen sowie Einheiten der Waffen-SS in die besetzte Sowjetunion. Priorität der so genannten „Befriedungsaktionen“ war die Vernichtung sowjetischer Juden durch Erschießung.

Von den jüdischen Opfern des Holocaust wurden etwa 40 Prozent bei Massenerschießungen getötet.

Die Beschlagnahme von Besitztümern und Plünderungen waren feste Bestandteile der Massenerschießungen. Im Anschluss an ein Massaker wurde jüdisches Eigentum, das nicht direkt von den Deutschen beschlagnahmt wurde, in der Regel versteigert, an die Nachbarn verteilt oder von den Nachbarn geplündert.

Die Erschießungen fanden vor Ort statt und wurden öffentlich, vor den Augen der Nachbarn, vollzogen. Viele der Nachbarn wurden von den Deutschen gezwungen, die Massentötungen zu unterstützen, indem sie sie als Schreibkräfte, Totengräber, Fahrer oder Köche verpflichteten.

Noch heute liegen die Überreste der Opfer des NS-Regimes in hunderten von Massengräbern. Diese befinden sich insbesondere in Lettland, Litauen, Polen, Weißrussland, Russland, in der Ukraine, Moldawien und Rumänien.

Die Einsatzgruppen

Einsatzgruppen waren Truppen, die hauptsächlich aus deutschen SS- und Polizeikräften bestanden. Sie standen unter dem Kommando der Sicherheitspolizei (Sipo) und des Sicherheitsdienstes (SD). Die Einsatzgruppen hatten unter anderem die Aufgabe, „rassische oder politische Feinde“ hinter den deutschen Kampflinien in der besetzten Sowjetunion zu ermorden.

Zu den Opfern gehörten Juden, Sinti und Roma sowie Funktionäre des Sowjetstaates und der sowjetischen kommunistischen Partei. Die Einsatzgruppen ermordeten außerdem Tausende von Bewohnern in Einrichtungen für geistig und körperlich Behinderte. Zahlreiche Wissenschaftler vertreten die Auffassung, dass die systematische Tötung von Juden in der besetzten Sowjetunion durch Einsatzgruppen und Bataillone der Ordnungspolizei der erste Schritt der „Endlösung“ war. Als „Endlösung“ wurde das Vernichtungsprogramm der Nationalsozialisten bezeichnet, das die Ermordung aller europäischen Juden vorsah.

Junge Mädchen posieren auf einer Wiese in der Stadt Eisiskes

Während des Angriffs auf die Sowjetunion im Juni 1941 folgten die Einsatzgruppen den deutschen Soldaten, die tief in sowjetisches Gebiet vordrangen. Die Einsatzgruppen führten die Massenmorde häufig unter Hinzuziehung ziviler und polizeilicher Helfer vor Ort durch. Im Gegensatz zu den später eingeführten Deportationen, bei denen Juden von ihren Heimatorten oder Ghettos in Vernichtungslager gebracht wurden, ermordeten die Einsatzgruppen die jüdische Bevölkerung vor Ort.

Die deutsche Wehrmacht unterstützte die Einsatzgruppen logistisch, einschließlich Versorgung, Transport und Unterkunft. Gelegentlich wurde auch personelle Unterstützung für die Bewachung und den Transport von Gefangenen bereitgestellt. Zu Beginn erschossen die Einsatzgruppen vor allem jüdische Männer. Bis zum Spätsommer 1941 wurden jedoch überall, wo die Einsatzkräfte auftauchten, auch jüdische Frauen sowie Kinder jeden Alters und Geschlechts getötet und in Massengräbern begraben. Oftmals mit der Hilfe ortsansässiger Informanten und Dolmetscher, wurden die in einer Ortschaft lebenden Juden ausfindig gemacht und zu Sammelstellen gebracht. Von dort mussten sie zum Exekutionsplatz marschieren, wo bereits Gräben vorbereitet waren. Zum Teil wurden sie per Lastwagen dorthin verbracht. In einigen Fällen mussten die Opfer ihre eigenen Gräber ausheben. Nachdem sie ihre Wertsachen übergeben und sich entkleidet hatten, wurden Männer, Frauen und Kinder erschossen. Dies geschah entweder, während sie vor dem offenen Graben standen oder mit dem Gesicht nach unten in der vorbereiteten Grube lagen.

Das Erschießen war die von den Einsatzgruppen am häufigsten eingesetzte Form des Tötens. Unter Verweis auf die psychologische Belastung seiner Männer durch die Massenerschießungen beantragte Heinrich Himmler jedoch im Spätsommer 1941 die Entwicklung einer „angenehmeren“ Tötungsart. Infolgedessen wurde der Gaswagen entwickelt. Dabei handelte es sich um einen zu einer mobilen Gaskammer umgebauten Lastwagen, in den das über den Auspuff austretende Kohlenmonoxid zurückgeleitet wurde, um die Opfer zu töten. Gaswagen wurden erstmals im Spätherbst 1941 an der Ostfront verwendet. Mit der Zeit kamen sie in den meisten Gebieten, in denen die Einsatzgruppen tätig waren, zum Einsatz, um Juden und andere Opfer zu töten. Erschießungen gab es nach wie vor.

Die Einsatzgruppen, die der deutschen Wehrmacht in die Sowjetunion folgten, bestanden aus vier bataillonsgroßen Truppen.

Karte: „Von der Einsatzgruppe A durchgeführte Judenexekutionen“

Einsatzgruppe A schwärmte von Ostpreußen über Litauen, Lettland und Estland nach Leningrad (dem heutigen Sankt Petersburg) aus. Sie tötete Juden in Kaunas, Riga und Vilnius.

Einsatzgruppe B startete in Warschau im besetzten Polen und zog durch Weißrussland nach Smolensk und Minsk. Dabei töteten sie Juden unter anderem in Grodno, Minsk, Brest-Litovsk, Slonim, Gomel und Mahiljou.

Einsatzgruppe C nahm ihren Dienst in Krakau auf und schob sich durch die westliche Ukraine in Richtung Charkiw und Rostow am Don. Sie leitete die Massaker von Lemberg, Tarnopol, Solochew, Kremenets, Charkow, Schitomir und Kiew. Traurige Berühmtheit erlangte der Massenmord in der Schlucht von Babi Yar, wo die Einheiten der Einsatzgruppe 4a Ende September 1941 innerhalb von zwei Tagen 33 771 Kiewer Juden hinrichteten.

Die Einsatzgruppe D operierte am südlichsten der vier Einheiten. Sie war für die Massaker in der Südukraine und auf der Krim verantwortlich, insbesondere in Nikolajew, Cherson, Simferopol, Sewastopol, Feodossija und in der Region Krasnodar.

Tatkräftige Unterstützung erhielten die Einsatzgruppen von deutschen Soldaten und Soldaten der Achsenmächte, ortsansässigen Kollaborateuren und anderen SS-Einheiten. Die Mitglieder der Einsatzgruppen wurden aus SS, Waffen-SS (militärische Formationen der SS), SD, Sipo, Ordnungspolizei und anderen Polizeieinheiten rekrutiert.

Bis Frühjahr 1943 fielen den Bataillonen aus Einsatzgruppen und Ordnungspolizei über eine Million Menschen zum Opfer. Darunter sowjetische Juden, Zehntausende sowjetische Politkommissare, Partisanen, Sinti und Roma sowie in Einrichtungen untergebrachte Behinderte. Die mobilen Tötungsmethoden, insbesondere das Erschießen, erwiesen sich als ineffizient und psychologisch belastend für die Täter. Noch während die Einsatzgruppen ihre Operationen durchführten, planten und begannen die deutschen Behörden den Bau stationärer Gaskammern in zentralisierten Tötungszentren, durch die das Ermorden einer Vielzahl von Juden möglich gemacht werden sollte.

Literaturhinweise

Headland, Ronald. Messages of Murder: A Study of the Reports of the Einsatzgruppen of the Security Police and the Security Service, 1941-1943. Rutherford, NJ: Fairleigh Dickinson University Press, 1992.

Rhodes, Richard. Masters of Death: The SS-Einsatzgruppen and the Invention of the Holocaust. New York: Knopf, 2002.

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