A kapo oversees prisoners at the Płaszów camp

Kapos und andere Häftlingsfunktionäre in NS-Konzentrationslagern

Die SS zwang einige Gefangene, bei der Verwaltung der Konzentrationslager mitzuhelfen. Diese Gefangenen waren sogenannte Funktionshäftlinge. Sie wurden in Verwaltungs- und Aufsichtspositionen innerhalb der Lager eingesetzt. Zu diesen Positionen gehörten unter anderem Lagerälteste, Blockälteste, Schreiber und Kapos. Derartige Positionen waren mit gewissen Privilegien verbunden, darunter etwas größere Essensrationen und bessere Kleidung.

Wichtige Fakten

  • 1

    Kapos sind die bekanntesten Funktionshäftlinge. Sie beaufsichtigten Gefangene bei der Arbeit. Oft peitschten und schlugen sie die Gefangenen unter ihrer Aufsicht oder töteten sie sogar.

  • 2

    Einige Funktionshäftlinge missbrauchten ihre Macht, zeigten sadistische Verhaltensweisen oder erschwerten das Leben ihrer Mitgefangenen auf andere Art. Andere Funktionshäftlinge wiederum, vor allem Ärzte, Krankenschwestern und Büroangestellte, halfen den Häftlingen zu überleben.

  • 3

    Im KZ-System der Nationalsozialisten waren alle Häftlinge – einschließlich der Funktionshäftlinge – Erniedrigung, Entmenschlichung und extremer Grausamkeit ausgesetzt.

Funktionshäftlinge waren KZ-Häftlinge, die für Aufsichts- oder Verwaltungsaufgaben in den Lagern eingesetzt wurden. 

Kapos sind die bekanntesten Funktionshäftlinge. Sie beaufsichtigten Gefangene bei der Arbeit. Doch es gab viele weitere Funktionärsstellen, darunter Posten als Lagerälteste, Blockälteste und Schreiber

Alle Funktionshäftlinge waren Teil einer standardisierten Lagerverwaltungsstruktur. Sie unterstanden der SS-Lagerverwaltung und dem Wachpersonal, unter ihnen waren ihre Mitgefangenen. Funktionshäftlinge waren für den reibungslosen Ablauf der täglichen Lagervorgänge unerlässlich. 

Aufgrund ihrer Stellung innerhalb der Lagerhierarchie verfügten die Funktionshäftlinge über erhebliche Befugnisse gegenüber anderen Gefangenen. Die Funktionäre an der Spitze der Hierarchie konnten bestimmte Strafen verhängen. Sie konnten ihren Mitgefangenen auch Belohnungen zukommen lassen oder ihnen in einigen Fällen sogar heimlich helfen. Funktionäre hatten Privilegien, die andere Gefangene nicht hatten. 

Warum setzte die SS Kapos, Blockälteste und andere Funktionshäftlinge ein?

Die SS führte das System der Funktionshäftlinge hauptsächlich ein, um deutsche Arbeitskräfte, Geld und Ressourcen zu sparen. Das System untergrub zudem die Solidarität unter den Gefangenen und entkräftete deren Widerstand. Dieses System wird oft als Selbstverwaltung bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, da die Häftlinge keine direkte Kontrolle darüber hatten, wer Funktionshäftling sein konnte.

Das Funktionshäftlingssystem begann in den 1930er Jahren im Konzentrationslager Dachau. Als die SS immer mehr Konzentrationslager errichtete, versetzte sie oft erfahrene Funktionshäftlinge von bereits etablierten Lagern in neue Lager. 

Was waren die wichtigsten Positionen der Funktionshäftlinge? 

Funktionshäftlinge überwachten verschiedene Bereiche und Aktivitäten. Dazu gehörten die Wohnbaracken, Arbeitskommandos, Krankenreviere, Küchen und Verwaltungsbüros. Funktionshäftlinge hatten unterschiedliche Bezeichnungen, aus denen ihre Stellung und ihre Aufgaben hervorgingen.

Lagerälteste

Die Lagerältesten waren die ranghöchsten Funktionshäftlinge. Das Wort „Ältester“ hatte nichts mit dem Alter der Häftlinge zu tun, sondern verwies auf eine Aufsichtsposition. Die Lagerältesten waren für den reibungslosen Ablauf des gesamten Lagers verantwortlich. Sie berichteten an den für das Lager verantwortlichen SS-Offizier, den sogenannten Schutzhaftlagerführer

Funktionshäftlinge in den Häftlingsbaracken

Die Blockältesten waren für die Wohnbaracken zuständig. In der Lagerterminologie wurden die Wohnbaracken als „Blöcke“ bezeichnet. Die Blockältesten bestimmten, wo die Gefangenen in ihrem Block schliefen und in welcher Reihenfolge sie ihr Essen erhielten. Sie konnten Gefangene mit besseren oder zusätzlichen Vorräten belohnen oder aber sie maßregeln, wenn sie gegen die Lagerregeln verstießen, oder sie willkürlich schlagen oder bestrafen. Innerhalb der Hierarchie der Funktionshäftlinge berichteten die Blockältesten an die Lagerältesten. Sie beaufsichtigten die Stubendienste oder Stubenältesten.

Ein rangniedriger SS-Offizier, ein sogenannter SS-Blockführer, sorgte dafür, dass die Blockältesten ihre Aufgaben erfüllten. 

Was war ein Kapo?

Shony wurde als Kind religiöser jüdischer Eltern in einer kleinen Stadt in Siebenbürgen geboren. Im Alter von 5 Jahren begann er, Geige zu spielen. Seine Stadt wurde 1940 von Ungarn und 1944 von den Deutschen besetzt. Im Mai 1944 wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz in Polen deportiert. Später wurde er in das Lagersystem von Natzweiler in Frankreich überstellt und dann nach Dachau verlegt, wo er im April 1945 von US-Truppen befreit wurde. 1950 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus und wurde Komponist und professioneller Geiger.

Nachweise:
  • US Holocaust Memorial Museum Collection

 

Kapos beaufsichtigten ihre Mitgefangenen bei Zwangsarbeitskommandos. Im Gegensatz zu den Bezeichnungen für andere Funktionshäftlinge ist das Wort „Kapo“ kein deutsches Wort. Der genaue Ursprung des Begriffs „Kapo“ ist nicht bekannt, klar ist jedoch, dass er bereits in Dachau verwendet wurde. 

Kapos bewachten und beaufsichtigten KZ-Häftlinge, die Zwangsarbeit verrichteten. Einige Kapos beaufsichtigten die Zwangsarbeit direkt im Lager, zum Beispiel die Kommandos in den Lagerküchen, Wäschereien, Werkstätten und Krankenstationen. Andere Kapos beaufsichtigten Gefangene, die außerhalb des Lagers Zwangsarbeit verrichteten, etwa auf Baustellen und Bauernhöfen sowie in Steinbrüchen, Fischereien und Fabriken. 

Die Kapos hatten sicherzustellen, dass die Häftlinge ihre Arbeit verrichteten, ihre Quoten erfüllten und nicht nachließen. Die SS erwartete von den Kapos die Anwendung körperlicher Gewalt, um diejenigen zu disziplinieren, die den Erwartungen nicht entsprachen. 

Einige große Arbeitskommandos (mit über 1.000 Zwangsarbeitern) wurden von einem Oberkapo geleitet. Der Oberkapo überwachte die Kapos und andere Funktionshäftlinge, darunter Unterkapos und Vorarbeiter

Andere Funktionshäftlinge

Zusätzlich zu den Lagerältesten, Blockältesten und Kapos gab es eine Reihe weiterer Funktionshäftlinge. Schreiber waren für das Führen von Aufzeichnungen und Verwaltungsaufgaben zuständig. Häftlingsärzte und Häftlingspflegerinnen wurden zur Arbeit in den Krankenrevieren eingesetzt. Während des Zweiten Weltkriegs hatten einige Lager aufgrund von Personalmangel bei den SS-Wachmannschaften eine Lagerpolizei oder einen Lagerschutz

Welche Gefangenen wurden als Kapos, Blockälteste und andere Funktionshäftlinge eingesetzt?

Die Funktionshäftlinge stammten aus allen KZ-Häftlingskategorien. Darunter waren Männer und Frauen verschiedener Nationalitäten. Die Zusammensetzung der Funktionshäftlinge variierte von Lager zu Lager, genau wie die Gefangenen selbst. Deutsche Gefangene aus Deutschland und den annektierten Gebieten waren jedoch in den meisten Konzentrationslagern am häufigsten in der Hierarchie der Funktionshäftlinge vertreten. Dies war auch in Lagern wie Stutthof und Riga-Kaiserwald der Fall, in denen überwiegend nicht deutsche Gefangene interniert waren. 

Die berüchtigtsten Funktionshäftlinge waren Personen, die als Berufsverbrecher inhaftiert waren. Andere waren als „Asoziale“ oder politische Gefangene inhaftiert oder weil sie Juden waren. 

Vorteile für Funktionshäftlinge

In den Konzentrationslagern waren Funktionshäftlinge im Vergleich zu den anderen Häftlingen relativ privilegiert. Sie hatten oft viele Vorteile, die andere nicht hatten, darunter:

  • bessere Unterkünfte, Verpflegung und Kleidung 
  • Zugang zu Luxusgütern wie Alkohol und Zigaretten
  • Zugang zu Lagernachrichten
  • körperlich weniger anspruchsvolle Arbeit und
  • die Möglichkeit, Körperverletzungen zu vermeiden   

Diese Privilegien trugen oft dazu bei, die Überlebenschancen der Funktionshäftlinge zu verbessern. Es lag in ihrem Interesse, ihre Position ordnungsgemäß zu erfüllen, um sich die Privilegien weiterhin zu sichern.

Beziehung zu anderen Gefangenen und deren Behandlung 

Funktionshäftlinge hatten einen gewissen Ermessensspielraum, wie sie ihre Macht ausübten und ihre Mitgefangenen behandelten. Es gibt viele Beispiele von Funktionshäftlingen, die ihre Macht missbrauchten und das Leben anderer Häftlinge erschwerten. Es gab aber auch Funktionshäftlinge, die ihren Mithäftlingen halfen, zu überleben. 

Begünstigtensysteme

Viele Funktionshäftlinge entwickelten Begünstigtensysteme gegenüber ihren Mitgefangenen. Dabei handelte es sich meistens um für beide Seiten vorteilhafte Beziehungen. Funktionshäftlinge konnten beispielsweise den Gefangenen dabei helfen, bessere Arbeitsplätze, mehr Essen oder andere Vorteile zu erhalten. Im Gegenzug unterstützten diese Gefangenen die Funktionäre bei kleineren Aufgaben. In der Regel bildeten sich diese Netzwerke zwischen Personen derselben Häftlingskategorie oder Nationalität. So bildeten etwa kommunistische politische Gefangene tendenziell Netzwerke mit anderen kommunistischen politischen Gefangenen. 

Unterstützung des Lagerwiderstands 

Funktionshäftlinge hatten oft Kenntnis über die neuesten Lagerinformationen. Infolgedessen konnten sie Schlüsselfunktionen in den Widerstandsbewegungen der Lager übernehmen. Sie waren außerdem in der Lage, Widerständlern Zugang zu Ressourcen zu verschaffen. In mehreren Lagern, darunter in Buchenwald und Auschwitz, spielten Funktionshäftlinge eine zentrale Rolle im Widerstand.

Fürsorge

Einige Funktionshäftlinge halfen dabei, ihre Mitgefangenen zu schützen und zu versorgen. Schreiber, Ärzte und Pflegekräfte sind vielen Häftlingen aufgrund ihrer kleineren oder größeren Gefälligkeiten in Erinnerung geblieben. 

So konnten zum Beispiel Schreiber die persönlichen Daten eines neu ankommenden Häftlings so erfassen, dass dessen Überlebenschancen möglicherweise stiegen. Sie konnten das Alter einer Person fälschen, sodass es in eine Altersgruppe fiel, die für Zwangsarbeit als ungeeignet galt. Schreiber konnten beim Registrieren der Häftlinge auch angeben, dass diese über eine im Lager nützliche Fähigkeit oder einen nützlichen Beruf verfügten. 

Trotz des Nichtvorhandenseins von sanitären Einrichtungen, Medikamenten und Versorgungsgütern versuchten Gefangene, die als Ärzte und Krankenschwestern tätig waren, kranke oder verletzte Häftlinge medizinisch zu versorgen. Sie versuchten, Wege zu finden, um das Leid zu lindern und diejenigen zu retten, die sie retten konnten, ohne mit den Anordnungen der SS in Konflikt zu geraten.   

Misshandlung und Ermordung von Gefangenen 

Für Kapos und Blockälteste gehörte das Schlagen und Bestrafen untergeordneter Gefangener zu ihren Pflichten. Körperliche Übergriffe waren fester Bestandteil des Lagerlebens. Die SS verlangte es so. Die meisten Funktionshäftlinge erfüllten die Erwartungen der SS. Sie schlugen Häftlinge, die aus der Reihe fielen oder ihre Arbeit nicht erledigen konnten.  

Einige Funktionshäftlinge waren für ihre sadistische Grausamkeit berüchtigt. Einige trugen Peitschen oder Stöcke mit sich, die sie gegen die Gefangenen unter ihrer Aufsicht einsetzten. Es kam häufig vor, dass Funktionshäftlinge andere Häftlinge in Ausübung ihrer offiziellen Pflichten ermordeten. Es gibt auch zahlreiche Beispiele von Funktionshäftlingen, die andere Gefangene sexuell missbraucht und angegriffen haben.  

Bestrafung von Funktionshäftlingen nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein kleiner Teil der Funktionshäftlinge bestraft. Manchmal kam es zu direkten Konfrontationen zwischen ehemaligen Funktionshäftlingen und einstigen Häftlingen, die deren Verhalten bezeugen konnten. In mehreren dieser Fälle kam es zu illegalen Racheakten ehemaliger Gefangener, bei denen Funktionshäftlinge ermordet wurden. In anderen Fällen identifizierten ehemalige Häftlinge Funktionshäftlinge gegenüber den alliierten Mächten oder anderen Behörden. Einige der Funktionshäftlinge wurden in Kriegsverbrecherprozessen vor alliierten Militärtribunalen sowie vor europäischen und israelischen Gerichten verurteilt. Oft wurden sie zusammen mit ihren ehemaligen SS-Wächtern vor Gericht gestellt. Nicht alle der angeklagten Funktionshäftlinge wurden verurteilt. 

Former kapo Emil Erwin Mahl on trial

Ein Zeuge der Anklage zeigt während des Dachauer Kriegsverbrecherprozesses auf den Angeklagten und ehemaligen Kapo Emil Erwin Mahl. Mahl trägt seine Häftlingskleidung unter einer Anzugjacke. Deutschland, 1945. 

Mahl wurde 1940 als Gefangener in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort wurde er Kapo. Kapos waren ausgewählte KZ-Häftlinge, die andere Häftlinge bei Arbeitseinsätzen überwachten. Mahl arbeitete im Krematorium des Lagers und war an Hinrichtungen beteiligt. Für seine Taten in Dachau wurde er wegen Kriegsverbrechen für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Das Strafmaß wurde später in eine 15-jährige Haftstrafe umgewandelt.

Nachweise:
  • US Holocaust Memorial Museum, courtesy of Leslie Urch

Kapos und andere Funktionshäftlinge in der Erinnerung der Überlebenden

Kapos und andere Funktionshäftlinge sind oft in den Erinnerungen und Berichten von Überlebenden thematisiert. Viele Überlebende berichten von recht unterschiedlichen Verhaltensweisen, die sie bei Funktionshäftlingen erlebt haben. Sie erzählen von Missbrauch und Mord, aber auch von Hilfe und Rettung. Der Nobelpreisträger Elie Wiesel dokumentiert in seinen bekannten Memoiren Die Nacht, wie er von einem Kapo misshandelt wurde. 

In einem Essay mit dem Titel „Die Grauzone“ beschreibt der Auschwitz-Überlebende Primo Levi die moralisch zwiespältige Zone, in der sich Funktionshäftlinge bewegten. Er schreibt: 

Das Geflecht menschlicher Beziehungen innerhalb der Lager war nicht einfach: Es ließ sich nicht einfach auf Opfer und Verfolger reduzieren... Die hybride Klasse der Funktionshäftlinge stellt eine Grauzone dar, deren verschwommene Umrisse die Lager der Herrschenden und der Dienenden sowohl trennen als auch verbinden.

In seinem Essay mahnt Levi, das Verhalten von Menschen in derart extremen Zwangslagen nicht moralisch zu verurteilen. Er erinnert daran, dass „die größte Verantwortung beim System, der Struktur des totalitären Staates selbst, liegt“.  

Im KZ-System der Nationalsozialisten waren alle Häftlinge – einschließlich der Funktionshäftlinge – Erniedrigung, Entmenschlichung und extremer Grausamkeit ausgesetzt. Viele versuchten daher einfach nur, zu überleben.

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