
Adolf Hitler: Anfangsjahre, 1889–1921
Adolf Hitler (1889–1945) war der Vorsitzende der NSDAP und der Diktator des nationalsozialistischen Deutschlands von 1933 bis 1945. Unter Hitlers Führung verübte das NS-Regime den Holocaust, die systematische Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Als Kind und bis ins Erwachsenenalter hinein war Hitler politischen und sozialen Ideen ausgesetzt, die später für die nationalsozialistische Ideologie entscheidend wurden. Im Jahr 1921 wurde er Vorsitzender der NSDAP.
Wichtige Fakten
-
1
In seiner Jugend wurde Adolf Hitler in der Schule, durch die Presse sowie im politischen Leben von Antisemitismus und völkischem Nationalismus beeinflusst.
-
2
Als junger Mann erlebte Hitler bedeutende historische Ereignisse, die den Verlauf der deutschen Geschichte veränderten und seine politische Entwicklung prägten.
-
3
Nach dem Ersten Weltkrieg machte Hitler sich in der Münchner Politik einen Namen. Dort blühten ultranationalistische, antidemokratische, antikommunistische und antisemitische Ideen.
Adolf Hitler (1889–1945) war der Vorsitzende der NSDAP und Diktator des nationalsozialistischen Deutschlands von 1933 bis 1945. Wegen der Verbrechen, die das deutsche NS-Regime unter seiner Führung beging, gilt er weithin als Personifikation des Bösen. Vor allem Hitlers Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust, die systematische Verfolgung und der Massenmord an den europäischen Juden, machten ihn berüchtigt.
Um Hitlers Leben ranken sich viele Mythen und Legenden. Viele dieser Geschichten sind reißerisch, skurril oder sensationell. Einige der Mythen stammen von Hitler selbst und der (weitgehend) fiktionalisierten Version seines Lebens, die er in seinem Buch Mein Kampf darstellte. Andere Mythen stammen von politischen Gegnern, die ihn in Verruf bringen wollten. Wieder andere haben sich in den Jahrzehnten seit seinem Tod weiterentwickelt. Die meisten dieser Mythen rühren von den Versuchen der Menschen her, Hitler und seine Verbrechen zu begreifen. Was hat es mit diesem Mann auf sich, dass sich Millionen von Menschen zu solch unvorstellbaren Taten anleiten ließen?
Hitlers Anfangsjahre waren wichtig für die Entwicklung seiner Ideologie. In dieser Zeit wurde Hitler mit den Ideen konfrontiert, die zu zentralen Bestandteilen seiner Weltanschauung wurden. Dazu gehören extremer ethnischer deutscher Nationalismus, rassistischer Antisemitismus, Ablehnung der liberalen Demokratie und Antikommunismus. Wann und warum Hitler eine extreme und radikalisierte Weltanschauung entwickelte, ist Gegenstand historischer Debatten.
Mythen über Hitlers familiären Hintergrund
Über den familiären Hintergrund Adolf Hitlers gibt es im Wesentlichen zwei Mythen. Der erste Mythos ist, dass Hitlers Großvater Jude war. Der zweite ist die Behauptung, dass Hitlers richtiger Nachname Schicklgruber war. Keiner dieser Mythen ist wahr.
War Hitlers Großvater Jude?
Nein. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Adolf Hitlers Großvater Jude war. Dieses unbegründete Gerücht tauchte bereits in den 1920er Jahren auf.
Dieser Mythos wurde wahrscheinlich durch die Spekulationen über die Identität von Hitlers Großvater genährt. Hitlers Vater Alois wurde als uneheliches Kind von Maria Anna Schicklgruber geboren. Im Taufbuch von Alois ist der Name seines Vaters nicht angegeben. Obwohl es unmöglich ist, dies zu beweisen, sind die Gebrüder Hiedler die wahrscheinlichsten Kandidaten, um Alois' biologischer Vater (und damit Adolf Hitlers Großvater) zu sein: Johann Georg oder Johann Nepomuk. Johann Georg wurde Alois' Stiefvater und Johann Nepomuk half bei seiner Erziehung. Im Jahr 1876 wurde Johann Georg offiziell als Vater in die Geburtsurkunde von Alois eingetragen. Keiner der beiden Männer waren Juden. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Maria Anna eine intime Beziehung zu einem jüdischen Mann hatte.
War Adolf Hitlers richtiger Nachname Schicklgruber?
Nein, Adolf Hitlers Nachname war nie Schicklgruber, aber es war ein Familienname. Schicklgruber war der Nachname von Adolf Hitlers Großmutter väterlicherseits. Da Hitlers Vater Alois außerehelich geboren wurde, trug er bis ins Erwachsenenalter den Nachnamen „Schicklgruber“. Im Jahr 1876 änderte Alois seinen Nachnamen in „Hitler“, als er den Namen seines Stiefvaters in seine Geburtsurkunde eintrug. „Hitler“ war eine Schreibweise des Nachnamens „Hiedler“. Alois Hitler gab seinen Kindern, darunter Adolf Hitler, diesen Nachnamen.
Hitlers Kindheit und Jugend
Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 als Sohn von Alois und Klara (geb. Pölzl) in der Stadt Braunau am Inn in Österreich-Ungarn (heute Österreich) geboren. Hitler wurde in der römisch-katholischen Kirche getauft. Sein Vater Alois (1837–1903) war Zollbeamter im mittleren Dienst. Klara (1860–1907) war die dritte Ehefrau von Alois. Das Paar hatte sechs Kinder, von denen vier im Säuglings- oder Kindesalter starben. Adolf Hitlers jüngere Schwester Paula wurde im Jahr 1896 geboren. Hitler hatte auch zwei ältere Halbgeschwister aus der zweiten Ehe seines Vaters.
Die Familie Hitler zog in Adolfs Kindheit mehrmals um. Im Jahr 1898 ließen sie sich in einem Dorf am Rande der österreichischen Stadt Linz nieder. Adolf Hitler besuchte mehrere Jahre lang die Schule in Linz und war kein besonders guter Schüler.
Hitlers Umgang mit dem deutschen Nationalismus
In der Schule kam Hitler mit dem damals in Linz verbreiteten deutschnationalen Gedankengut in Kontakt. Hier lernte er wahrscheinlich den völkischen Deutschnationalismus Georg Ritter von Schönerers kennen. Schönerer vertrat die Ansicht, dass alle ethnischen Deutschen in einem Land vereint sein sollten. Er war gegen das multinationale österreichisch-ungarische Kaiserreich. Schönerer verbreitete zudem den rassistischen Antisemitismus.
Hitlers gescheiterte künstlerische Träume
Der junge Adolf Hitler wollte Künstler werden. Nach eigenen Angaben kämpfte er erbittert mit seinem Vater, der ihn im österreichisch-ungarischen Staatsdienst sehen wollte. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1903 überredete Hitler seine Mutter, ihm zu erlauben, seinen Künstlertraum zu verfolgen. Im Herbst 1907 legte Hitler die Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste in Wien ab. Seine Aufnahme wurde abgelehnt.
Hitler als „gescheiterter Künstler“ ist auch im 21. Jahrhundert noch Gegenstand von Witzen und kontrafaktischen Geschichten über den deutschen Diktator.
Klara Hitlers jüdischer Arzt
Es ist ein weit verbreiteter Mythos, dass Adolf Hitler Juden hasste, weil ein jüdischer Arzt Hitlers Mutter behandelte. Mehrere Hinweise belegen jedoch das Gegenteil.
Das ganze Jahr 1907 über half Hitler bei der Pflege seiner Mutter, die an Brustkrebs im Sterben lag. Ihr Arzt, Dr. Eduard Bloch, war Jude. Hitler und Dr. Bloch entwickelten ein gutes Verhältnis. Hitler bedankte sich für Blochs Hilfe und Fürsorge. Klara starb im Dezember 1907. Jahre später, als die Nationalsozialisten Österreich übernahmen, sorgte Hitler dafür, dass Dr. Bloch und seine Frau von vielen der antisemitischen Maßnahmen des Regimes ausgenommen wurden.
Hitlers Zeit in Wien, 1908–1913
Im Frühjahr 1908, einige Wochen nach dem Tod seiner Mutter Klara, zog Hitler nach Wien. Im Gegensatz zu Linz, wo die Bevölkerung mehrheitlich deutsch war, war Wien multiethnisch, multinational und multireligiös. Unter der Wiener Bevölkerung gab es eine große jüdische und tschechische Gemeinschaft. Hitler blieb bis Mai 1913 in der Stadt.
Hitlers Lebensstil in Wien
Zunächst lebte Hitler recht gut in Wien. Er hatte ein großzügiges Erbe von seinen Eltern erhalten und arbeitete nicht. In den Jahren 1908–1909 scheiterte er ein zweites Mal an der Aufnahme in die Akademie der Schönen Künste. Er verlor den Kontakt zu seiner Familie. Ende 1909 war Hitlers Erbe versiegt und er verarmte. Er war gezwungen, vorübergehend in einer Obdachlosenunterkunft und dann in einem Männerheim zu leben. In dieser Zeit begann Hitler, Aquarelle von Wien zu malen, die er zunächst mit Hilfe eines Geschäftspartners verkaufte.
Hitlers Auseinandersetzung mit dem politischen Antisemitismus in Wien
In den ersten beiden Jahren, in denen Hitler in Wien lebte, war der antisemitische Politiker Karl Lueger Bürgermeister der Stadt. Lueger war Mitbegründer der Christlichsozialen Partei (CSP) Österreichs. Als Politiker nutzte Lueger wirtschaftlichen Antisemitismus und neue politische Taktiken, um Wählerstimmen zu gewinnen.
Hitler behauptete später, seine antisemitische politische Ideologie sei in Wien entstanden. Er sagte, Lueger und die antisemitischen Zeitungen der Stadt hätten ihn teilweise inspiriert. Aus dem Leben Hitlers geht jedoch hervor, dass dies wahrscheinlich nicht ganz richtig ist. In Wien hatte Hitler jüdische Bekannte und Geschäftspartner. Nach den vorliegenden Erkenntnissen entwickelte Hitler erst nach seinem Weggang aus Wien eine umfassende antisemitische Ideologie. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass dieser Zeitraum Hitlers antisemitische Überzeugungen und Politik beeinflusst hat.
Hitler in München, 1913–1914
Im Mai 1913 verließ Hitler Wien und zog nach München, in die Hauptstadt des Landes Bayern, das Teil des Deutschen Reiches war. Er zog nach München, um einer Bestrafung zu entgehen, weil er sich seiner Militärdienstpflicht gegenüber Österreich-Ungarn entzogen hatte. Hitler finanzierte seinen Umzug mit den letzten Resten seines Erbes. In München driftete Hitler weiter ab. Er finanzierte seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf seiner Aquarelle und Skizzen.
Hitlers Militärdienst im Ersten Weltkrieg, 1914–1918
Adolf Hitler begrüßte den Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 enthusiastisch. Am 2. August, dem Tag des Kriegsbeginns, nahm der 25-jährige Hitler an einer patriotischen Veranstaltung in München auf dem Odeonsplatz teil. Jahre später entdeckte Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann einen jungen Hitler auf einem Bild, das er an diesem Tag von der Menge gemacht hatte. Dies wurde zu einem beliebten Propagandabild in NS-Deutschland.
Hitler tritt in die Bayerische Armee ein
Obwohl er ausländischer Staatsbürger war, trat Hitler im August 1914 in die bayerische Armee ein. Während des Ersten Weltkriegs war die bayerische Armee Teil der deutschen Armee. Hitler diente im 16. Bayerischen Reserve-Infanterieregiment. Nach einer begrenzten, beschleunigten militärischen Ausbildung wurde die Einheit im Herbst 1914 nach Belgien entsandt. Hitler und seine Einheit kämpften in der Ersten Schlacht von Ypern (Oktober–November 1914). Dies war Hitlers einzige Kampferfahrung an der Front.
Hitlers militärischer Rang und Medaillen
Im November 1914 wurde Hitler zum Gefreiten befördert, dem zweiten Beförderungsrang für einen Berufssoldaten. Dies blieb seine einzige Beförderung. Während des Krieges erhielt er mehrere Medaillen, darunter im Dezember 1914 das Eiserne Kreuz 2. Klasse und im August 1918 das Eiserne Kreuz 1. Klasse.
Hitler als Meldegänger
Im November 1914 wurde Hitler Meldegänger. Seine Aufgabe war es, Nachrichten zum und vom Regimentshauptquartier zu überbringen. Somit war er kein Frontsoldat mehr. In den folgenden vier Jahren kämpfte Hitlers Regiment in mehreren Schlachten in Belgien und Frankreich an der Westfront. Während dieser Kämpfe befand sich Hitler oft mehrere Kilometer hinter der Frontlinie. Dennoch wurde er im Oktober 1916 während der Schlacht an der Somme durch einen Granatsplitter im oberen Oberschenkel leicht verwundet.
Hitlers Erlebnisse an der Heimatfront
Obwohl Hitler den größten Teil des Ersten Weltkriegs mit seiner Einheit im aktiven Dienst war, verbrachte er auch einige Zeit an der deutschen Heimatfront. Nachdem er im Oktober 1916 verwundet worden war, lag er etwa zwei Monate in einem Lazarett in der Nähe von Berlin. Sowohl in München als auch in Berlin wurde Hitler Zeuge des weit verbreiteten Hungers unter der deutschen Zivilbevölkerung im Winter 1916–1917, der die Folge einer schlechten Ernte und kriegsbedingter Seeblockaden war. Anderthalb Jahre später, während seines Fronturlaubs im September 1918, beobachtete Hitler den völligen Zusammenbruch der Moral an der deutschen Heimatfront. Diese Erfahrungen hinterließen einen bleibenden Eindruck bei Hitler und beeinflussten später seine Entscheidungen zur Lebensmittelversorgung im Zweiten Weltkrieg.
Die letzten Monate des Ersten Weltkriegs
Im Oktober 1918 wurde Hitler bei einem Senfgasangriff verwundet. Er wurde in das Militärkrankenhaus Pasewalk eingeliefert. Die Nachricht vom Waffenstillstand am 11. November 1918, vom Sturz Kaiser Wilhelms II. und von der deutschen Revolution erreichte ihn, während er sich dort erholte. Hitlers Abscheu und Bestürzung über den Waffenstillstand sowie den Untergang des Deutschen Reiches sollten später ein wichtiger Teil seines Mythos und seiner Ideologie werden.
Hitlers Erlebnisse in München nach dem Ersten Weltkrieg
Obwohl die meisten Soldaten des Ersten Weltkriegs schnell demobilisiert wurden, entschied sich Hitler, nach Kriegsende beim bayerischen Militär zu bleiben. Ohne Familie, Freunde, Wohnung oder berufliche Perspektiven hatte er kaum eine andere Option. Hitler blieb von Herbst 1918 bis Ende März 1920 in der bayerischen Friedensarmee. Während dieser Zeit entwickelten sich die politischen Ereignisse um ihn herum rasant.
Politische Veränderungen in München 1918–1919
Als Hitler Ende November 1918 nach München zurückkehrte, befand sich die Stadt mitten im politischen Umbruch. Am 7. und 8. November hatten Revolutionäre in Bayern den bayerischen König Ludwig III. gestürzt und eine demokratisch-republikanische Regierung eingesetzt. Von November 1918 bis Februar 1919 stand der Sozialist Kurt Eisner, ein Jude, an der Spitze der neuen bayerischen Regierung. Eisner wurde im Februar 1919 ermordet. Sein Nachfolger Johannes Hoffman wurde schließlich bei einem kommunistischen Übernahmeversuch aus der Stadt vertrieben. Im April–Mai 1919 übernahm die Bayerische Räterepublik, eine kommunistische Regierung, die Macht in der Stadt. Mithilfe benachbarter Staaten und Milizen unterdrückte die Regierung Hoffmann die Bayerische Räterepublik. Es folgte eine antikommunistische Reaktion, bei der Hunderte von Menschen getötet wurden.
Während all dieser politischen Veränderungen diente Hitler weiterhin im bayerischen Militär. Er entschied sich dafür, obwohl er sich hätte ausmustern lassen können. Das bedeutet, dass Hitler – der bald für seine erklärte Ablehnung der parlamentarischen Demokratie und des Kommunismus bekannt werden sollte – freiwillig als Soldat für beide Regierungsformen gedient hatte.
Antisemitismus im München der Nachkriegszeit
Während und nach dem Ersten Weltkrieg nahm der Antisemitismus in ganz Deutschland zu. Viele Deutsche gaben allen Juden die Schuld an der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg, an der Revolution im November 1918 und an der Verbreitung des Kommunismus.
Hitler erlebte diesen Moment des verstärkten Antisemitismus im München der Nachkriegszeit. München war zu einer Brutstätte antijüdischer Stimmungen geworden. In München eskalierte der Antisemitismus im Sommer und Herbst 1919 als Reaktion auf das Weltgeschehen. Erstens machten viele Menschen in München und darüber hinaus die Juden zum Sündenbock für die Taten der kommunistischen Bayerischen Räterepublik. Die Menschen äußerten zudem ihren Unmut über die deutsche Regierung, weil sie den Vertrag von Versailles unterzeichnet hatte. Diese Wut nahm einen antisemitischen Ton an. 1919 erschien die antisemitische Verschwörungstheorie die Protokolle der Weisen von Zion in deutscher Übersetzung. In den folgenden Monaten und Jahren übernahm und verbreitete Adolf Hitler viele der antisemitischen Ideen und Verschwörungstheorien, die zu dieser Zeit im München der Nachkriegszeit und in Deutschland verbreitet waren.
Unter diesen Umständen wuchsen in München neue, rechtsradikale antisemitische Bewegungen heran. In genau diesem Umfeld wurde Hitler für seine Fähigkeiten als dynamischer politischer Redner bekannt.
Hitlers erste antisemitische Äußerungen und Reden
Im Sommer 1919 trat Hitler in das Informationsbüro der Bayerischen Militärverwaltung ein. Dieses Militärbüro sammelte Informationen über politische Parteien in München und sorgte für eine antikommunistische „politische Erziehung“ der Truppe. Im Juli besuchte Hitler einen antikommunistischen Propagandakurs. Dort hörte er Vorlesungen über Geschichte und Politik, die wahrscheinlich einen Teil seines Denkens beeinflussten. In jenem Sommer erkannte Hitler, dass er ein begnadeter Redner war, und begann, an seinem Talent zu feilen. Im August 1919 hielt er seine ersten antisemitischen politischen Reden vor Soldaten.
Beeindruckt von Hitlers kommunikativen Fähigkeiten, betraute ihn sein Vorgesetzter mit der schriftlichen Beantwortung einer Anfrage eines Studenten zur sogenannten „Judenfrage“. In einem Schreiben vom 16. September 1919 bezeichnete Hitler die Juden als „Rasse“. Er wiederholte Lügen über Juden, die auf wirtschaftlichem, nationalistischem und rassistischem Antisemitismus beruhten. In dem Brief forderte er zudem eine starke, nationalistische Regierung, welche die jüdische Bevölkerung vollständig aus Deutschland entfernen würde.
Aufstieg an die Spitze der NSDAP
Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im Informationsbüro nahm Hitler am 12. September 1919 an einer Versammlung der kleinen Deutschen Arbeiterpartei (DAP) teil. Nach Hitlers Angaben hielt er bei dem Treffen eine improvisierte Rede, welche die Parteiführung so beeindruckte, dass sie ihn zum Beitritt ermutigte. Innerhalb eines Monats trat Hitler der DAP mit der Mitgliedsnummer 555 bei. Hitler behauptete später fälschlicherweise, seine Mitgliedsnummer sei sieben.
Seine erste offizielle Rede für die DAP hielt Hitler am 16. Oktober 1919 in einer Bierhalle. Aufgrund seiner Redegewandtheit stieg Hitler schnell in die Führungsriege der DAP auf. Er half der DAP-Führung ebenfalls bei der Ausarbeitung des politischen Programms der Partei. Dieses Programm wurde von Hitler am 24. Februar 1920 in einer großen öffentlichen Versammlung im Münchner Hofbräuhaus bekannt gegeben. Kurze Zeit später änderte die DAP ihren Namen in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Ihre Mitglieder wurden kurz als „Nazis“ bezeichnet.
Ende März 1920 schied Hitler aus dem bayerischen Militär aus. Er zog in ein kleines, gemietetes Zimmer in der Nähe des Stadtzentrums. Von diesem Zeitpunkt an widmete er sich ganz der Politik. Zu seinen Einnahmequellen gehörte auch die Bezahlung für seine politischen Reden. Er erhielt zudem Geld und Vergünstigungen von der NSDAP und ihren Unterstützern.
Mitte 1921 hatte sich Hitler als Vorsitzender der NSDAP etabliert. In dieser Rolle wurde Hitler zu einer der wichtigsten und destruktivsten politischen Figuren der Geschichte.