Chil Meyer Rajchman

Chil Meyer Rajchman

Geboren: 14. Juni 1914

Łódź, Polen

Chil wurde als Sohn einer jüdischen Familie in der Industriestadt Łódź geboren. Seine Mutter starb noch vor dem Zweiten Weltkrieg, sodass der Vater die Kinder aufzog. Chil ging arbeiten, um gemeinsam mit seinem Vater für den Unterhalt der Familie aufzukommen.

1933-1939: Am 1. September 1939 fiel Deutschland in Polen ein. Chil floh mit seiner jüngeren Schwester Rivka nach Pruszków, einer kleinen Stadt rund 15 Kilometer südwestlich von Warschau.  

1940-1945: Im Oktober 1940 richteten die deutschen Behörden ein offenes Ghetto in Pruszków ein. Im Januar 1941 transportierten die Deutschen den Großteil der im Ghetto Pruszków eingesperrten Juden, darunter auch Rivka, in das Ghetto Warschau. Zunächst hielten die deutschen Behörden Chil in Pruszków fest, wo er als Zwangsarbeiter auf dem Rangierbahnhof eingesetzt wurde. Schließlich wurde er ins Ghetto Warschau geschickt, wo er wieder mit Rivka zusammenkam. 

Chil und Rivka kamen schließlich in das Ghetto Ostrów Lubelski, das 1942 von den deutschen Behörden aufgelöst wurde. Die Ghettobewohner, darunter auch Chil und Rivka, mussten sich zu Fuß nach Lubartów begeben. Von Lubartów aus wurden Chil und Rivka in einem überfüllten Güterwaggon in die Tötungsanstalt Treblinka deportiert. 

In Treblinka wurden die beiden von den Lagerbehörden getrennt. Rivka wurde in den Gaskammern ermordet. Chil gehörte zu einer Gruppe von etwa 100 jungen Männern in guter körperlicher Verfassung, die zunächst zur Zwangsarbeit während der Selektion ausgewählt wurden. Während die meisten von ihnen noch am selben Tag ebenfalls getötet wurden, wurde Chil vorübergehend verschont, da er sich freiwillig als Friseur gemeldet hatte. Später wurde er von der Lagerleitung damit beauftragt, die Leichen aus den Gaskammern zu den Massengräbern zu transportieren. Chil musste die oft aus Edelmetall angefertigten künstlichen Zähne der Opfer entfernen. Trotz der extremen Gewalt und entsetzlichen Bedingungen, die in Treblinka herrschten, harrte Chil etwa 10 Monate lang aus. 

Im August 1943 gelang Chil während des Aufstands von Treblinka die Flucht aus dem Vernichtungslager. Er entkam der Suchstaffel der SS, indem er sich in den Wäldern und später bei polnischen Bauern versteckte. Aus Angst, entdeckt zu werden, beschloss Rajchman, sich nach Warschau durchzuschlagen. Dort half ihm ein polnischer Freund bei der Beschaffung falscher Papiere auf den Namen Henryk Ruminowski. Er überlebte den Warschauer Aufstand im August 1944. Nach dem Aufstand versteckte er sich in einem Bunker in den Ruinen von Warschau, bis die Sowjets die Stadt einnahmen und ihn am 17. Januar 1945 befreiten. 

Von seiner engeren Familie überlebte außer ihm nur sein Bruder Moshe. Später heiratete Chil und wanderte nach Uruguay aus, wo er drei Söhne großzog. In seinen Memoiren dokumentierte Chil seine Erlebnisse in Treblinka. Sie wurden in englischer Sprache unter dem Titel The Last Jew of Treblinka veröffentlicht.

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